St.Galler Geothermie-Kraftwerk-Projekt vor der heissen Phase

St.Galler Geothermie-Kraftwerk-Projekt vor der heissen Phase

Gefäss: 
Die Tiefenbohrungen für das St. Galler Geothermie-Kraftwerk stehen vor der entscheidenden Phase. Ab Donnerstag werden die Gesteinsschichten durchbohrt, unter denen das heisse Wasser erwartet wird.
 
Die Tiefenbohrung im Sittertobel hat am 2. Juli eine Tiefe von 4005 Metern erreicht. Nun beginnt die vierte Bohrsektion, in welcher die etwa 300 bis 400 Meter dicke Schicht des Malmkalks durchbohrt werden soll. Ist eine Bohrtiefe von rund 4400 Metern erreicht, werden umfangreiche geophysikalische Messungen vorgenommen. Und schon ab Mitte Juli soll die Schicht des Malmkalks in einem dreiwöchigen Testprogramm auf Thermalwasser überprüft werden.

Stunde der Wahrheit schon im August

Zunächst wird dafür das Bohrloch durch längeres Ausspülen gereinigt. Zur Verbesserung der Durchlässigkeit wird zudem das Kalkgestein kurzzeitig gesäubert. Leistungstests untersuchen anschliessend die Wasserförderbarkeit. Diese erfolgen durch Einpressen von komprimierter Luft ins wassergefüllte Bohrloch. Dadurch entsteht eine Wasser-Luft-Zirkulation, die das Thermalwasser an die Oberfläche bringen soll. Im günstigsten Fall dürften schon im August erste Erkenntnisse darüber vorliegen, ob und in welchen Mengen heisses Thermalwasser vorhanden ist. Im besten Fall wird durch die Bohrleitung 140 Grad heisses Wasser nach oben fliessen und zwar 150 Liter pro Sekunde.
 
Sollte die dort vorgefundene Wassermenge nicht ausreichen, wird bis zum tiefer liegenden Muschelkalk weiter gebohrt oder eine Abzweigung, ein "Sidetrack" angelegt. Bringt die erste Tiefenbohrung den gewünschten Erfolg, wird nur wenige Meter daneben eine zweite Bohrung durchgeführt. Damit das hydrothermale System funktioniert, muss das geförderte Wasser nach der Nutzung wieder in den Untergrund transportiert werden.

Stromproduktion und Erdwärme-Heizung

Das Projekt, für das die St. Galler Stimmbürger 2010 einen Kredit von 160 Millionen Franken mit grossem Mehr gutgeheissen haben, birgt grosse Chancen, aber auch Risiken. Etwa die Hälfte davon kosten die Tiefbohrung und der Bau des Kraftwerks. Die andere Hälfte ist für den Ausbau des Fernwärmenetzes vorgesehen. Das heisse Wasser soll später im geplanten Geothermie-Kraftwerk im Sittertobel zur Stromerzeugung genutzt werden. Zudem sollen Tausende von Gebäuden in der Stadt umweltfreundlich mit Erdwärme geheizt werden. (mai/sda)