Steuerdebatten könnten Attraktivität der Schweiz gefährden

Steuerdebatten könnten Attraktivität der Schweiz gefährden

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Wie eine Studie zeigt, ist die die Schweiz ist nach Deutschland der attraktivste Wirtschaftsstandort der Welt. Allerdings sind ausländische Investoren als Folge der Steuerdebatten und der globalen Wirtschaftskrise gegenüber der Schweiz insgesamt zurückhaltender und misstrauischer geworden.
 
„Der schwierigste Standortfaktor für Investoren ist derzeit das Steuerthema", so Dominik Bürgy, Mit-Autor einer Studie der Beratungsfirma Ernst & Young anlässlich einer Medienkonferenz zur Studie. Die Attraktivität des Steuersystems belegt nach Meinung von 700 weltweit befragten Managern Platz elf der wichtigsten Gründe, die für die Schweiz sprechen. Vor zwei Jahren rangierte dieser Aspekt in einer vergleichbaren repräsentativen Umfrage noch auf Platz vier. Inwiefern von einem Trend gesprochen werden könne, ist laut Bürgy jedoch nicht auszumachen, wenn auch die Signale deutlich seinen.
 
Insgesamt 23 Prozent der Umfrageteilnehmer kamen ausserdem zum Schluss, dass die Qualität der Schweiz als Investitionsstandort schlechter geworden ist. 2007 war nur 15 Prozent dieser Ansicht. Die Autoren der Studie führen dies teilweise auf die Steuerkonflikte zurück, die die Schweiz jüngst mit mehreren Staaten ausgefochten hatte und die zur Aufweichung des Bankgeheimnisses führten. Grundlegend erschüttert ist das Vertrauen in den Schweizer Rechtsstaat aber keineswegs: Grösste Stärke der Schweiz bleibt laut Umfrage die politische Stabilität und die Rechtssicherheit, gefolgt von so genannt "weichen Faktoren". Das sind etwa Lebensqualität und soziales Klima.
 

Zurückhaltender bei Investitionen

 
Wegen der globalen Wirtschaftskrise ist die Lage der Schweiz ungewisser geworden: Der Anteil der Unternehmen, die ziemlich sicher nicht in der Schweiz investieren würden, hat sich seit 2007 von 26 auf 50 Prozent erhöht. Von den 700 befragten Unternehmen sind gut 200 in der Schweiz tätig. Zwar wurden 2008 drei Prozent aller europäischen Direktinvestitionen in der Schweiz getätigt, zwei Prozentpunkte mehr als 2007. Von den befragten Unternehmen, die in der Schweiz präsent sind, planen aber 26 Prozent - statt wie vor zwei Jahren 24 Prozent -, vor allem wegen der tieferen Kosten Aktivitäten ins Ausland zu verlegen.
 

Ausland ist innovativer

 
Auf der Liste der innovativsten Länder der Welt schafft es die Schweiz auf Platz fünf, nach China, den USA, Deutschland und Indien. Gerade mal fünf Prozent der Befragten glauben, dass in den nächsten Jahren Hightech- und Software Firmen à la Google und Microsoft in der Schweiz aus dem Boden schiessen werden. Bei den Patent-Neuanmeldungen pro Kopf liege die Schweiz hingegen immer noch vorn, sagte Studien-Mitautor Markus Schweizer. Jüngste Studien zeigen denn auch klare Unterschiede: Anfang September kürte das World Economic Forum (WEF) die Schweiz zur wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft der Welt. Dies auch wegen der Qualität der Forschungs- und Bildungseinrichtungen.
 

Schweiz dürfte Krise gut meistern

 
Dass die Schweiz in Europa die besten Voraussetzungen hat, die gegenwärtige Krise zu meistern, das denken 44 Prozent der Umfrageteilnehmer. Deutschland trauen dies 32 Prozent zu, Grossbritannien nur neun Prozent. Grund sei trotz Finanzkrise der Bankensektor, erklärt dazu Dominik Bürgy. Im Vergleich zu anderen Staaten, wo Banken reihenweise kollabierten und verstaatlicht werden mussten, werde die Schweizer Finanzwelt als weniger stark von der Krise getroffen wahrgenommen. (sda)