Steiniger Weg zum grossen Erfolg

Steiniger Weg zum grossen Erfolg

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Teaserbild-Quelle: zvg
Die Komfortlüftung ist ein Erfolgsprodukt, allen Einwänden zum Trotz: Letztes Jahr wurden über 15000 Wohnungen damit ausgerüstet. Das sind zehnmal mehr als vor zehn Jahren. Umfragen zeigen, dass die Bewohner entsprechend ausgerüsteter Wohnungen die gute Luftqualität schätzen. Gleichwohl gibt es Schattenseiten: Fehlende Ausbildung und Erfahrung der Installateure führen immer noch zu Mängeln, die sich mit dem Befolgen von ein paar Regeln vermeiden liessen.
 
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Gutes Beispiel für Ausseluftfassung.

 

Wo braucht es eine Komfortlüftung?

Sowohl die SIA-Norm 180 [1] als auchMinergie verlangen ein Lüftungskonzept. Die SIA 180 verweist dabei neben mechanischen Anlagen auch auf die handbetätigte Fensterlüftung. Es wird aber erwähnt, dass die gewählte Lüftung den Benutzern erlauben muss, während der gesamten Lebensdauer des Gebäudes den notwendigen Luftvolumenstrom zu erhalten. Minergie argumentiert, dass das mit einer handbetätigten Fensterlüftung nicht gewährleistet ist. Im schlimmsten Fall führt die reine Fensterlüftung zu Feuchteproblemen und im besten Fall zu dauernd geöffneten Kippfenstern (mit entsprechend hohem Energieverbrauch).
 
Minergie definiert vier Standard-Systeme:
  • Komfortlüftung (Definition siehe Kasten Seite 70)
  • Einfache Abluftanlage: Mechanische Abluft, Aussenluft über Durchlässe an der Fassade
  • Einzelraumlüftungsgeräte
  • Automatische Fensterlüftung: elektrische Antriebe zum Öffnen und Schliessen von Fensterflügeln
Die Systeme sind in der Broschüre «Standard-Lüftungssysteme» [2] sowie in [3] und [4] beschrieben. Minergie favorisiert die Komfortlüftung, weil sie die meisten Vorteile bietet. Unter den vier Varianten erreicht sie die beste Bewertung bei Raumluftqualität, Schutz gegen Aussenlärm und Energieeffizienz.
 
Lösungen für bestehende Gebäude
Varianten der Komfortlüftung: Auch bei Modernisierungen soll zuerst die Komfortlüftung in Betracht gezogen werden. Der Knackpunkt ist oft die Leitungsführung. Häufig bietet sich eine der folgenden Varianten an:
  • Leitungen unter der Decke im Korridor
  • Leitungen an der Fassade unter der Wärmedämmung
Für beide Varianten existieren standardisierte Produkte oder sie können auch nach individuellen Bedürfnissen realisiert werden.

Einfache Abluftanlage

Die freie Nachströmung der Aussenluft führt unweigerlich zu einem Unterdruck in der Wohnung. Dies kann die Funktion von Holzöfen stören, auch wenn diese mit separaten Verbrennungsluftleitungen ausgerüstet sind. Bei Wohnungen mit Holzöfen und Cheminées darf daher keine einfache Abluftanlage installiert werden. Damit die Luft tatsächlich über die Aussenluft-Durchlässe und nicht über Installationszonen und andere Leckagen nachströmt, ist eine sehr dichte Gebäudehülle erforderlich. Die Vorteile der einfachen Abluftanlage sind, dass sie Feuchte zuverlässig abführt und einen geringen Installationsaufwand erfordert. Sie kommt bei Sanierungen von kleineren und mittleren Mehrfamilienhäusern durchaus infrage.
 
Einzelraumlüftungsgeräte
Die Vorteile dieser Variante sind die Wärmerückgewinnung, die raumweise Steuerung und keine Luftleitungen. Der Hauptnachteil ist der Schall: Die Ventilatoren sind im Schlafzimmer platziert. Es ist sehr anspruchsvoll, Geräte zu bauen, die bei einem Luftvolumenstrom von 30 m3/h (Minergie-Standardwert) einen Schalldruckpegel von 25 dBA (Anforderung SIA 2023 [3]) einhalten.
 
Ein weiterer Nachteil ist die Wartung. Die Filterkosten machen bei dieser Lösung den Hauptteil des Betriebsaufwandes aus.
Automatische Fensterlüftung
Die automatische Fensterlüftung ist geeignet, wenn Fenster ersetzt werden, aber keine weiteren baulichen Massnahmen durchgeführt werden. Sie kommt nur an Lagen infrage, an denen weder der Aussenlärm noch die Aussenluftbelastung (z.B. Pollen bei Allergikern) kein Problem sind.
 
Anforderungen an die Komfortlüftung
  • Aussenluft-Fassung: Aussenluft darf nicht ebenerdig oder in einem Lichtschacht gefasst werden. Ein gutes Beispiel ist in Bild (C) und ein schlechtes Bild (D) dargestellt.
  • Filter: In der Zuluft wird ein Feinstaubfilter der Klasse F7 gefordert. Vorsicht mit der Bezeichnung «Pollenfilter»: Dieser Begriff ist in keiner Norm definiert und sagt daher nichts über die Filterqualität aus. Die Anlagenbetreiber sollen darauf hingewiesen werden, dass Filter Einwegprodukte sind. Sie sollen niemals gewaschen oder mit Staubsaugern gereinigt werden.
  • Kein flüssiges Wasser: Stehendes Wasser ist das grösste Hygienerisiko in Lüftungsanlagen. Lufterdregister sind deshalb besonders sorgfältig zu planen und auszuführen.
  • Zugang für Reinigung: Sämtliche Anlageteile müssen gereinigt werden können. Planer und Installateure müssen aufzeigen können, wie dies bei ihren Anlagen gewährleistet ist. Im Zweifelsfall lohnt sich eine Beurteilung durch eine Reinigungsfirma.
  • Schall: Die Komfortlüftung darf im Normalbetrieb einen Schalldruckpegel von maximal 25 dBA verursachen. Die wirksamste Massnahme ist ein tiefer Druckverlust der Verteilung. Das heisst kurze Leitungen und tiefe Luftgeschwindigkeiten (maximal 2,5 m/s).
  • Luftvolumenströme und Luftführung: In einer Wohnung müssen der gesamte Zu- und Abluftvolumenstrom gleich gross sein. Eine Komfortlüftung verursacht also weder Über- noch Unterdruck. Damit verträgt sie sich gut mit einem Holzofen oder Cheminée.
Ein zu hoher Luftvolumenstrom kann zu tiefen Raumluftfeuchten führen, macht eine Anlage lauter und teurer und er erhöht den Energieverbrauch. Die Luftvolumenströme sollen daher gemäss SIA-Merkblatt 2023 dimensioniert werden (ca. 30 m3/h pro Zimmer), nicht höher. Die Luftvolumenströme müssen pro Raum einreguliert, gemessen und protokolliert werden.
 
Bei offenen Grundrissen kann oft auf Zuluft im Wohnzimmer verzichtet werden. In einem Projekt der Stadt Zürich [5] wurde aufgezeigt, dass offene Wohnzimmer ohne Zuluft selbst bei ungünstigen Grundrissen gut durchlüftet werden.
Die Lüftungsstufe soll in der Wohnung eingestellt werden. Die Bewohner können so die Raumluftfeuchte und den Energieverbrauch besser beeinflussen.
 
Information und Instruktion: Bei Einfamilienhäusern erfolgt die Instruktion anlässlich der Abnahme. Bei Mehrfamilienhäusern soll bei Erstbezug und Mieterwechsel instruiert werden. Diese Aufgabe kann der Hausdienst übernehmen.

Fachleute finden

Die fachgerechte Umsetzung von Komfortlüftungen erfordert Weiterbildung und Erfahrung. Auf der Minergie-Homepage (www.minergie.ch) findet sich unter dem Adressportal das Fachpartnerverzeichnis. Hier sind Planer, Installateure und Reinigungsfirmen aufgeführt. (Heinrich Huber FHNW/HABG arbeitet am Institut Energie am Bau in Muttenz und ist stv. Leiter Minergie Agentur Bau.)
 
Literatur[1] Norm SIA 180 Wärme- und Feuchteschutz im Hochbau[2] Minergie Standard-Lüftungssysteme für Wohnbauten.www.minergie.ch[3] Merkblatt SIA 2023 Lüftung in Wohnbauten (Ausgabe 2008)[4] Planungshandbuch Komfortlüftung; Faktor Verlag, Zürich[5] AHB Zürich: Broschüre Luftaustausch; www.stadt-zuerich.ch/nachhaltigesbauen>2000-Watt-Gesellschaft >Technik
 
 

Definition Komfortlüftung

  • Eine Komfortlüftung wird in den SIA-Normen als «einfache Lüftungsanlage» bezeichnet.
  • Die Aussenluft wird gefiltert und durch die Wärmerückgewinnung erwärmt.
  • Die Zuluft wird den Zimmern zugeführt. Die Abluft wird aus Bad, WC, Dusche und in der Regel auch Küche abgesaugt.
  • Der Aussenluftvolumenstrom ist so bemessen, dass eine gute Raumluftqualität resultiert. Eine Komfortlüftung ist also keine Luftheizung und auch keine Klimaanlage.
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