Staudämme gegen Wassermangel in den Alpen

Staudämme gegen Wassermangel in den Alpen

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Wenn die Sommer immer wärmer werden und sich die Gletscher in der Folge immer mehr zurückziehen, könnten Stauseen den durch die steigenden Temperaturen verursachten Wassermangel lindern. Zu diesem Schluss kommen Wissenschafter der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft (WSL), indem sie Auswirkungen des Klimawandels auf die Gletscher der europäischen Alpen in einer Studie simuliert haben.

Zahlreiche Flüsse Europas werden vom Wasser aus Schnee und Gletschern gespeist. Werden die Temperaturen wärmer, werden schneebedeckte Gebiete kleiner und die Gletscher ebenso. Somit dürfte sommers laut WSL in Zukunft deutlich weniger Wasser aus dem Hochgebirge zur Verfügung stehen. Wie WSL mitteilt hat nun erstmals ein Forscherteam der WSL in einer in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlichten Studie abgeschätzt, wie sich ein Wassermangel mittel aktivem Wassermanagement lindern lässt. - Ebenfalls mit beteiligt an der Studie waren die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission in Ispra (I), und die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich.

Die Idee dahinter: Das im Frühjahr wegen der früheren Schmelzsaison verfügbare, zusätzliche Wasser in die Sommermonate hinüberzuretten. Die Wissenschafter schlagen in ihrer Studie vor, das Wasser in Stauseen temporär zu speichern. Sie nehmen an, dass eine solche Strategie bis Ende des Jahrhunderts bis zu zwei Drittel der erwarteten Wasserdefizite ausgleichen könnte. Diesen Speicherbedarf – etwa einen Kubikkilometer – verglichen sie in einem laut Mitteilung der WSL  „etwas provozierenden Gedankenspiel“ mit dem Speichervolumen, das verfügbar wäre, wenn künstliche Dämme vor den schwindenden Gletschern errichtet würden.

Dazu platzierten sie in einem Modell virtuelle Dämme an den aktuellen Gletscherstandorten und berechneten das Volumen der damit gebildeten Seen. Wie die WSL in ihrer Medienmitteilung schreibt, zeigte sich, dass damit zehnmal mehr Wasser als das tatsächlich benötigte Volumen verfügbar wäre. Somit liesse sich mit rund einem Dutzend zentralisierter Dämme den Speicherbedarf decken.

Die Studienautoren warnen aber, dass damit nur ein Teil des Problems behoben werden kann. Denn zum einen müsste man das Wasser der gegenwärtig 4000 Alpengletscher zu diesen grossen, zentralisierten Dämmen bringen. Und zum andern könnte das Speichern des Wassers bis zum Sommer den durch den Gletscherschwund bedingten Wasserverlust nicht wettmachen.  - Die Wissenschafter nehmen an,  dass der Abfluss von Wasser aus Gletschern in den europäischen Alpen bis im Jahr 2100 um eine Menge schrumpft, die etwa 80 Prozent des heutigen Trinkwasserverbrauchs der Schweiz entspricht. (mai)