Starker Franken vermiest Geschäftsergebnis

Starker Franken vermiest Geschäftsergebnis

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Auch der Sanitärtechnikkonzern Geberit leidet unter dem Starken Franken. Er hat das Ergebnis des Geschäftsjahres 2011 stark beeinflusst. Ebenfalls negativ wirkten sich die steigenden Rohmaterialpreise aus.
 
Unter dem Strich verdiente Geberit noch 384 Millionen Franken. Das seien 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr, teile Europas grösster Sanitärtechnikkonzern am Donnerstag mit. Der Betriebsgewinn (EBIT) tauchte gar um 7,6 Prozent auf 449,2 Millionen. Im vergangenen Jahr habe die Stärke des Frankens gegenüber den wichtigsten Währungen der Gruppe weiter zugenommen, teilte das Unternehmen mit. Dies habe das Betriebsergebnis um 55 Millionen Franken gedrückt. Ohne die Franken-Aufwertung hätte Geberit den EBIT um knapp 4 Prozent gesteigert. Negativ wirkten sich auch die höheren Rohmaterialpreise aus, die Geberit nicht vollständig auf die Kunden überwälzen konnte. Damit hat der Konzern die Erwartungen der Finanzgemeinde leicht verfehlt: Analysten rechneten gemäss der Nachrichtenagentur AWP im Durchschnitt mit einem Betriebsgewinn von 455 Millionen Franken und einem Reingewinn von 389 Millionen.
 
Immerhin hat die Geberit die eigenen Vorhersagen übertroffen. Das Unternehmen aus Jona SG hatte einen Reingewinn von 370 Millionen Franken bis 380 Milllionen in Aussicht gestellt. An der festeren Schweizer Börse sank die Aktie leicht um 0,3 Prozent auf 191,90 Franken.

Reihum gewachsen

Auch beim Umsatz hinterliess die Schweizer Währung tiefe Spuren und machte 230 Millionen Franken zunichte. Deshalb schrumpfte der Umsatz insgesamt um 1,1 Prozent auf 2,123 Milliarden Franken. Konzernchef Albert Baehny sprach auf der Bilanzmedienkonferenz in Zürich dennoch von einem weiteren sehr erfolgreichem Jahr: Geberit konnte die Verkäufe in lokalen Währungen um 9,5 Prozent steigern. Man habe in allen Weltgegenden zugelegt. Im wichtigsten Absatzgebiet Europa, wo Geberit über 90 Prozent seines Geschäfts macht, seien trotz der Schuldenkrise die Umsätze in Lokalwährungen um 9,5 Prozent gestiegen. Besonders gut lief das Geschäft in Grossbritannien und Irland, wo die Verkäufe um über ein Viertel kletterten. Auch im grössten Markt Deutschland verbesserte sich Geberit in Euro um 12,3 Prozent. Nur die Krisenländer Spanien und Portugal tauchten weiter ab (-9,5 Prozent).

Preissenkungen in der Schweiz

Im Heimmarkt Schweiz konnte der Konzern den Umsatz lediglich 1,3 Prozent auf 295,4 Millionen Franken zulegen. Wegen des starken Frankens sah sich Geberit vergangenes Jahr zu Preissenkungen gezwungen, um zu verhindern, dass die Kunden jenseits der Grenze einkauften. Baehny rechnet damit, dass die Preissenkungen auch im laufenden Jahr auf den Umsatz in der Schweiz drücken.
 
Kräftig wuchs Geberit auch in Nordamerika (+10,2 Prozent in Dollar), obwohl die Baukonjunktur dort auf sehr tiefem Niveau praktisch stagnierte. Überdurchschnittlich gut hätten sich Unterputzspülkästen und elektronische Armaturen verkauft, sagte Baehny. Man habe Marktanteile gewonnen.
 
In Asien und im Pazifik habe sich Geberit in dortigen Währungen um 10 Prozent verbessert, wobei das Bild geteilt sei. Während China und Südostasien stark gewachsen seien, hätten die Geschäfte in Australien und Südkorea gelitten. Im Nahen Osten und Afrika kletterten die Umsätze in Lokalwährungen um 7,5 Prozent.
 
„Für 2012 beurteilen wir die Baukonjunktur vorsichtig optimistisch“, sagte Baehny. Zulegen dürfte die Bauwirtschaft in Norwegen, Dänemark, Deutschland und der Schweiz. Ein deutlicher Rückgang sei indes in den Niederlanden, Italien, Irland und Portugal zu erwarten. Prognosen für den Geschäftsgang von Geberit wollte Baehny wie üblich keine abgeben. (mai/sda)