Standorte für Atomendlager besser verkaufen

Standorte für Atomendlager besser verkaufen

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Teaserbild-Quelle: Angela Paszyka / pixelio.de
Die Bevölkerung stimmt einer umstrittenen Industrieanlage eher zu, wenn sie den Auswahlprozess dafür als gerecht wahrnimmt, berichten Forscher der ETH Zürich. Dazu gehört, dass das Verfahren festen Regeln folgt, die Anwohner gut informiert werden und aktiv an der Entscheidung teilnehmen können.
 
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Für Industrieanlagen sollen Auswahlprozesse für die Bevölkerung erarbeitet werden.
 
Das Team um Roland Scholz vom Institut für Umweltentscheide (IED) wollte herausfinden, wie sich Widerstände gegen umstrittene Bauten am besten überwinden lassen. Dazu entwickelte es 27 realitätsnahe Szenarien zur Standortwahl eines Tiefenlagers für radioaktive Abfälle, die mehr oder weniger gerechten Abläufen folgten. 200 Testpersonen setzten diese Szenarien nach ihren Präferenzen in eine Rangordnung.
 
 
Die Befragten bevorzugten all jene Verfahren, die einen fairen Prozess beinhalteten, wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Social Justice Research" berichten. Zudem schätzten sie den Bau eines geologischen Tiefenlagers als wichtigen sicherheitsrelevanten Faktor ein.
 
 
Im Gegenzug lehnten die Freiwilligen unfaire, intransparente Prozesse mit wenig bindenden Regeln und geringen Mitsprachemöglichkeiten ab. "Würde der Prozess als unfair wahrgenommen, könnte es sein, dass die Bevölkerung einen Standort nicht akzeptiert", sagt Pius Krütli, Erstautor der Studie, in einer Mitteilung der ETH Zürich.
 
 
Feste Regeln, solide Information
 
 
Zu einem fairen Prozess gehört, dass das Verfahren festgeschriebenen Regeln folgt, die Leute solide informiert werden und die Betroffenen aktiv teilhaben können. Unfaire Prozesse hingegen folgen keinen verbindlichen Regeln, es wird selten und selektiv informiert, und die Partizipation beschränkt sich auf die Möglichkeit zur Teilnahme an Podien.
 
 
Obwohl sich die Testpersonen im Bildungsniveau und im Alter stark unterschieden, beurteilten sie die Szenarien fast gleich. Die Autoren schliessen aus ihrer Studie, dass die Politik künftig den Entscheidungsprozessen bei Endlagern oder anderen Infrastrukturprojekten mehr Gewicht beimessen müsste.
 
 
(sda)