Stahlbauweise soll mindestens fünf Prozent zulegen

Stahlbauweise soll mindestens fünf Prozent zulegen

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Teaserbild-Quelle: Thomas Kümin
Die Verbände des Stahlhandels, des Stahlbaus und des Metallbaus fördern künftig gemeinsam unter dem Logo Stahlpromotion Schweiz die Stahlbauweise. Innerhalb der Baubranche und der Öffentlichkeit wird dafür geworben, dass auch Bauen in Stahl ökologisch und nachhaltig sein kann.
Thomas Kümin
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Thomas Kümin
Sie setzen sich für die Ökostahlkampagne ein.


Die Stahlbaubranche will ihren Marktanteil vergrössern. Laut Hans Peter Wetter, Präsident des Stahlbau Zentrums Schweiz, liegt dieser gegenwärtig bei 16 Prozent, gegenüber den 70 Prozent des Massivbaus mit Beton sowie den 14 Prozent des Holzbaus. Bis 2013 soll der Stahlbau um fünf Prozent zulegen. Dieses Ziel hat sich die Stahlpromotion Schweiz, ein Zusammenschluss von drei Verbänden, mit der Lancierung der Kampagne Ökostahl gesetzt. Der Schweizerische Stahl- und Haustechnikhandelsverband SSHV, das Stahlbau Zentrum Schweiz SZS, und die Schweizer Metallbau Union SMU werben gemeinsam dafür, dass Bauen in Stahl ökologisch, ästhetisch und wirtschaftlich sein kann. An der Finanzierung der Marketingmassnahmen soll sich die gesamte Branche beteiligen, Ziel ist ein Jahresbudget von einer Million Franken.

Die Stahlpromotion Schweiz pocht darauf, dass die meisten hierzulande importierten Baustähle zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Schrott bestehen. Beim Blech liege der Schrottanteil bei 45 Prozent. Ökologisch sei der Schweizer Stahl darum, weil die Gewinnung dieses Recyclingstahls wesentlich umweltschonender geschehe als die Primärproduktion von Roheisen und Rohstahl, sagen die Verbandspräsidenten. Rezyklierter Stahl verbrauche bei der Herstellung 70 Prozent weniger Energie und verursache 85 Prozent weniger CO2 als neuer Stahl. Roman Rogger, Präsident Schweizerischer Stahl- und Haustechnikhandelsverbandes SSHV und Geschäftsleiter der SFS Locher AG in Altstätten SG, erklärt: «Bei der traditionellen Methode wird das Roheisen im Hochofen aus Eisenerzen und Koks sowie anderen Reduktionsmitteln wie Kohle, Öl, Gas gewonnen und anschliessend im Konverterstahlwerk in Rohstahl umgewandelt. Bei der heute in der Schweiz ausschliesslich angewendeten Methode und für alle in die Schweiz importierten Stahlprofile wird jedoch Stahlschrott im Elektrolichtbogenofen eingeschmolzen. In diesem Verfahren werden bei einer Tonne Stahlschrott 650 Kilogramm Kohle, rund 1,5 Tonnen Eisenerz und rund eine Tonne CO2 eingespart.» Der Wandel von hochwertigem Feinblech zur Fahrzeugproduktion zum Armierungsstahl oder Walzprofil wurde mit einem Vergleich deutlich gemacht: im Zürcher Stadion Letzigrund wurde der Schrott von 7500 Altautos verbaut. Das Bauwerk wurde mit dem European Steel Design Award 2009 und dem Prix Acier 2007ausgezeichnet.

Energiebilanzen überarbeiten

Die Kampagne «Ökostahl» richtet sich an die Fachwelt und die breite Öffentlichkeit. So will die Stahlpromotion Schweiz Einfluss nehmen auf die Planungsrundlagen für Architekten und Ingenieure. Instrumente wie «Eco-Devis» beispielsweise dienen in der Planerwelt dazu, ökologisch interessante Materialien und Verarbeitungsleistungen bei der Ausschreibung zu eruieren. «Stahlbauteile werden dort mit wenigen Ausnahmen als ökologisch bedenklich eingestuft», schreibt die Stahlpromotion Schweiz. Und in weiteren Planungsgrundlagen, beispielsweise des SIA, von Behörden und Vereinigungen für nachhaltiges Bauen, stünden für den Stahlbau unvorteilhafte und teilweise falsche Angaben. «Die Rezyklierfähigkeit und die Tatsache, dass europäische Stahlprodukte bis zu 100 Prozent aus Schrott bestehen, sind nicht auf breiter Basis anerkannt», schreibt die Stahlpromotion. Sie beruft sich unter anderem auf die Studie «Nachhaltiges Bauen mit Stahl» von Martin Mensinger, der einen Lehrstuhl für Metallbau an der Technischen Universität München innehat.

Dies vor dem Hintergrund, dass öffentliche und private Bauherrschaften immer grösseren Wert auf eine nachhaltige Bauweise legen. Darum ist mit der Kampagne «Ökostahl» nicht nur eine «Beratungsstelle für Nachhaltiges Bauen in Stahl und Metall» vorgesehen, sondern auch Vorträge und Referate an Hochschulen sowie Weiterbildungskurse. Architekten und Ingenieure würden im «Beton-Land» Schweiz vor allem mit diesem Baustoff vertraut gemacht, schreibt die Stahlpromotion. Wer sich schon in der Ausbildung mit den Vorzügen der Stahlbauweise befasst, werde diese auch in der Praxis einsetzen.

Ausserhalb der Fachwelt, sprich beispielsweise auf Plakatwänden, Stahlbauwerken und Lastwagenplachen, will die Stahlpromotion mit Bildern werben, die die Nachhaltigkeit von Öko-Stahl verdeutlichen sollen. So soll das Image der Stahlbauweise in der breiten Öffentlichkeit verbessert werden.

Konkurrenz aus dem Holzbau

Konkurrenz orten die Branchenverbände nicht nur bei der Massivbauweise. Auch die Entwicklung im Holzbau wird aufmerksam beobachtet. SZS-Präsident Hans Peter Wetter schlägt kämpferische Töne an: «Fast in allen Kommunen sitzen Vertreter der Forstwirtschaft, sind doch bei uns die meisten Gemeinden auch Waldbesitzer. Der Staat fördert die Forstwirtschaft und die Holzindustrie mit Millionen-Subventionen – alles unter dem Ökolabel. Immer mehr Hallen verlieren wir an den Holzbau – nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil die öffentliche Hand sowie private Bauherren das Gefühl haben, damit ökologisch zu handeln. Dies geschieht unbesehen davon, dass das meiste Bauholz aus dem Ausland kommt und die geleimten Binder und imprägnierten respektive farbbehandelten Holzteile dereinst als Sondermüll entsorgt werden müssen.»

Eine beachtliche Zahl Arbeitsplätze hängt am Erfolg der Stahl- und Metallbau-Branche in der Schweiz. Nach Angaben der Stahlpromotion beschäftigt die Branche über 30 000 Menschen. 2800 Unternehmen erwirtschaften einen Umsatz von rund zehn Milliarden Franken. Insgesamt bildet die Branche heute rund 5100 Lernende aus. Speziell im Bereich Metallbau konnten in den vergangenen Jahren bereits 500 neue Lehrstellen geschaffen werden. (Thomas Kümin)