Stadttheater: Stadtrat will Schutzwürdigkeit abklären

Stadttheater: Stadtrat will Schutzwürdigkeit abklären

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Der Stadtrat von Winterthur will nicht über die Zukunft des Stadttheaters reden. Noch nicht. Bevor er sich mit den Plänen – Abriss für ein Kongresshaus oder Sanierung – befasst, will er vom Kanton die Schutzwürdigkeit des Gebäudes abklären lassen.

Das im Jahr 1979 eingeweihte Gebäude mit seinem markanten Bleidach gehört zu den ganz grossen Gastspielhäusern der Schweiz. Entworfen von Architekt Frank Krayenbühl, gilt es als eine Perle seiner Zeit. Nicht umsonst steht es auf der Liste schützenswerter Gebäude. Aber ist es so schützenswert, dass es nicht abgerissen darf? Genau das will der Stadtrat nun abklären lassen, wie er dieser Tage verkündete. Viel mehr hat er nicht verlauten lassen – und das löst nicht unbedingt Freude aus.

Zwei grosse Säle statt ein Theatergebäude

Die Befürworter eines Abrisses begrüssen zwar das Vorgehen des Rats, zuerst die Schutzwürdigkeit abklären zu lassen. Allerdings vermissen sie „noch immer“ ein klares Bekenntnis des Stadtrats zu einem „architektonischen Leuchtturm für Architektur und Kultur sowie zu einer zeitgemässen Event-Infrastruktur“, schreibt die Nachrichtenagentur SDA. Denn sie haben eine Vision, die Vision „Theaterplus“. Hinter dem Projekt stehen die Standortförderung Region Winterthur, Winterthur Tourismus, die Handelskammer und die Arbeitgebervereinigung. Sie wollen, dass das Gebäude einem Zentrum Platz macht. Hierfür sollen zwei grosse Säle für 800 respektive 400 Besucher gebaut werden. Unter dem gleichen Dach stellen sie sich ausserdem ein Hotel mit 125 Zimmern, einen ausgebauten Gastronomiebetrieb, ein Dutzend Seminarräume sowie Mietwohnungen vor. Kosten soll das Ganze um die 130 Millionen Franken, die allerdings nicht von der Stadt, sondern von privaten Investoren bereitgestellt werden sollen.

Etwas Gutes nicht zerstören

Gegen die Abrissvisionen wehrt sich der Theaterverein Winterthur. Man sei „äusserst befremdet“, dass der Stadtrat die Abrissidee nicht „klar und deutlich“ fallenlässt.  Er fordert in einer Mitteilung, dass die Kongresshauspläne nicht weiter an die „Theaterzerstörung“ gekoppelt und – losgelöst vom Theater – auf einem anderen Areal geprüft werden. Es gebe keinen plausiblen Grund, etwas Gutes zu zerstören. Denn der mit einer Gebäudestudie im Jahr 2011 betraute Architekt Ruggiero Tropeano gebe dem Theater in allen Bereichen des Baus gute Noten. Es sei in einem guten Zustand.

Mit diesem Ansinnen ist der Theaterverein nicht allein. Vor ziemlich genau einem Jahr haben nämlich mehr als 4600 Personen innerhalb von nur sechs Tagen eine Petition unterschrieben, die sich für den Erhalt des Theaters ausspricht; unter ihnen Prominennte wie Viktor Giacobbo, Lorenz Keiser, Peter Stamm, Jaqueline Fehr und Ernst Wohlwend. Und erst kürzlich haben sich viele namhafte Winterthurer Persönlichkeiten in einer ganzseitigen Anzeige im Winterthurer Landboten eindringlich für den Erhalt ausgesprochen.

Quo vadis Stadtrat?

Wo der Stadtrat selbst steht, dazu hat er noch keine Stellung bezogen. Doch eins ist sicher: Die anstehenden Sanierungskosten – die Rede ist von Unterhaltskosten von sieben bis elf Millionen Franken für die nächsten zehn Jahre und 12 bis 20 für die kommenden 15 bis 20 Jahren – machen ihm Bauchweh. Denn Winterthur muss wie viele andere Gemeinden, Kantone und Städte sparen. Dass das Projekt „Theaterplus“ privat finanziert werden würde, könnte für den Stadtrat deshalb durchaus interessant sein. Zumal Stadtpräsident Michael Künzle bei der Präsentation des Projekts vor wenigen Monaten sagte, dass es in dieser Stadt noch möglich sein müsste, Visionen zu haben. Er zeigte sich damals überzeugt, dass sehr gute Arbeit geleistet worden ist. Und architektonisch werde das Projekt sicher eine hervorragende Sache. (mt/pd)