Stadtrat will weniger Autos um Bahnhof Bern

Stadtrat will weniger Autos um Bahnhof Bern

Gefäss: 

Mit zahlreichen Verkehrsmassnahmen will der Berner Gemeinderat den Zugang für Fussgänger zum Bahnhof verbessern - auch auf Kosten des Autoverkehrs. Der Stadtrat hat einem entsprechenden Projektierungskredit zugestimmt.

Zukunft Bahnhof Bern (ZBB) heisst das Grossprojekt, mit dem die SBB die Kapazität des Berner Bahnhofs ausbauen wollen. An der Stadt Bern ist es nun, dafür zu sorgen, dass die zunehmenden Pendlerströme auch ungehindert Zugang zum Bahnhof erhalten.

Der Gemeinderat schlägt dafür ein Bündel von baulichen und verkehrstechnischen  Massnahmen vor. Für die Projektierung derselben beantragte der Gemeinderat dem Stadtrat einen Kredit in der Höhe von 1,85 Millionen Franken. Der Stadtrat stimmte an seiner Sitzung von Donnerstagabend diesem Kredit mit 48 Ja- zu 19 Nein-Stimmen zu.

Gegen die Vorlage wandten sich FDP, SVP und Linksaussen. Die rechtsbürgerlichen Parteien befürchteten Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr (MIV). SVP-Sprecher Alexander Feuz sprach von einem "ideologischen" Projekt.

Fussgänger im Untergrund

Viele der geplanten Massnahmen betreffen den Knoten Bubenbergplatz. Da ZBB einen neuen Bahnhofszugang beim Bubenbergplatz vorsieht, rechnet der Kanton Bern mit stark steigenden Pendlerströmen. So sollen im Jahr 2030 zu Spitzenzeiten innerhalb von zehn Minuten bis zu 9700 Personen den Bubenbergplatz überqueren. Heute sind es etwa 1700 Personen. Die Stadtregierung möchte in diesem Zusammenhang etwa eine Unterführung prüfen,
um den Hirschengraben mit dem geplanten Bubenberg-Zugang zu verbinden. Zudem möchte er das Verkehrsregime rund um den Bubenbergplatz ändern. Zur Debatte steht, dass Autos von der Laupenstrasse und dem Bubenbergplatz einst nicht mehr in die Schanzenstrasse abbiegen dürfen.

Der Gemeinderat geht davon aus, dass durch diese und weitere kleinere Massnahmen der MIV auf dem Bubenbergplatz um etwa 30 Prozent zurückgehen wird. Einen noch stärkeren Rückgang wünscht der Stadtrat: Er stimmte einem Antrag der zuständigen Planungskommission zu, wonach der Bubenbergplatz "weitestgehend vom MIV freigehalten" werden soll.

Konkret forderte die Planungskommission eine Reduktion des Verkehrsaufkommens um mindestens die Hälfte. SP-Sprecher David Stampfli betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Einschränkung des MIV nötig sei, um die Situation für Fussgänger, Velofahrer und den öffentlichen Verkehr zu verbessern.

Umstritten war auch die geplante Fussgängerunterführung. Die SP scheiterte mit einem Antrag, den Entscheid über die Unterführung bereits definitiv zu fällen. Gerade die Grünen Parteien äusserten sich zur Unterführung skeptisch. "Fussgänger gehören an die Oberfläche und nicht in den Untergrund", sagte Janine Wicki für die GFL/EVP-Fraktion.

Mehr Veloparkplätze und Einbahnregime

Erfolgreich war dafür ein Antrag der Fraktion GB/JA, im Bahnhofumfeld das Angebot an leicht zugänglichen und unentgeltlich nutzbaren Veloabstellplätzen zu erhöhen. "In den letzten Jahren wurden stets Gratis-Abstellplätze durch kostenpflichtige Abstellplätze in Velostationen ersetzt", sagte Franziska Grossenbacher für die GB/JA-Fraktion.

Die weiteren im Projektierungskredit vorgesehenen Massnahmen gaben wenig zu reden. Geplant ist etwa, dass auf der Zieglerstrasse zwischen Inselplatz und Effingerstrasse ein Einbahnregime eingeführt wird. Zudem sollen Velos und Busse künftig vom Bollwerk direkt in die Neubrückstrasse einbiegen können - ohne Umweg über die Schützenmattstrasse.

Die Realisierungskosten werden auf rund 70 Millionen Franken geschätzt. Die Berner Stimmberechtigten werden wohl im Jahr 2019 über den entsprechenden
Kredit befinden können. Als Abschluss der Bauarbeiten ist 2025 vorgesehen - dann sollte auch die erste Bauetappe von ZBB fertiggestellt sein.

Im Projektierungskredit nicht enthalten sind die Kosten für die "Entflechtung  Hirschengraben", einer SP-Motion, welcher der Stadtrat ebenfalls zustimmte. Sie fordert eine Verschiebung der Gleise beim Hirschengraben, um den Durchgang für Velofahrer attraktiver zu gestalten, wie Motionär Benno Frauchiger ausführte. (sda)