Stadtleben mit Wald- und Wiesenflair

Stadtleben mit Wald- und Wiesenflair

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Teaserbild-Quelle: Bejza Ademi
Auf einem ländlichen und doch stadtnahen Areal entsteht Wohnraum von zwei verschiedenen Bauherren. Logistik und Timing sind Kernthemen beim Bauprojekt, doch die Verantwortlichen mussten sich auch mit Fledermäusen, 150-jährigen Eichen und einer Kapelle beschäftigen.
 
 

Links zu Beteiligten

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Bauingenieur
ewp Bucher Dillier AG, Luzern, www.ewp.ch
 
Fenster
1a Fenster, Ebikon, www.1a-hunkeler.ch
Biene AG, Winikon, www.biene-fenster.ch
 
Glasoberlichter
HP Gasser AG, Lungern, www.hpgasser.ch
 
Verputzarbeiten
Filliger & Partner AG, Emmenbrücke, www.filiger-partner.ch
 
Verputzte Aussenwärmedämmung
Stutz AG Bauunternehmung, Willisau, www.stutzbau.ch
 
Verschiebung Kapelle
Iten AG, Morgarten, www.itenbau.ch
 
 
 
 
Neugierig bestaunen die Kinder das emsige Treiben auf der Baustelle direkt neben ­ihrem Schulhaus. Auch die Bewohner des Altersheims, das nur gerade einen Steinwurf entfernt liegt, verfolgen gespannt die Bauarbeiten im Wesemlin-Dreilinden. Das beliebte Wohnquartier von Luzern liegt etwas erhöht über dem rechten Ufer des Vierwaldstättersees. Rund 4000 Menschen leben hier. Bald werden es noch etwas mehr sein mit den Bewohnern der neuen Überbauung, die durchmischten Wohnraum für Jung und Alt, für Familien und Singles bietet.
 
Das Projekt umfasst vier Baufelder, die von zwei Auftraggebern bebaut werden. Die katholische Kirchgemeinde Luzern ist Bauherrin auf den Feldern A und B, die Gesellschaft Altersheim Unterlöchli auf den Feldern C und D. Auf Letzterem ist bereits Leben eingekehrt: ­Kinder spielen auf der breiten Spielstrasse ­zwischen den Häuserzeilen, die auch als Begegnungszone dient.

Wohnen mit Seeblick

Auf Baufeld D liegen die Einheiten mit der besten Wohnlage: ruhig, direkt am Waldrand und mit Blick auf den Rotsee. Deshalb, und weil auf jedem Geschoss nur eine Wohnung platziert ist, spricht man auch von den «Stadtvillen» auf Baufeld D. Das Baufeld C wird erst zu einem späteren noch unbekannten Zeitpunkt bebaut. Diese Brache dient zurzeit als Parkplatz und Zufahrt zur Baustelle. Auf den Baufeldern A und B hingegen sind die Arbeiten im vollen Gang. Während die vorderen Häuser bereits im Stadium des Innenausbaus sind, wird in den hinteren noch betoniert. Bis zu 100 Leute arbeiten auf der Baustelle. Aufgrund des Projektumfangs wurden die Aufträge an grössere Unternehmen vergeben, denn Kleinfirmen hätten die Auftragsgrössen in der vorgegebenen Zeit nicht ­bewältigen können.

Sportlicher Terminkalender

Der Bauablauf und der Bezug der einzelnen Bauten erfolgt im Takt von Osten nach Westen. Die ersten Wohnungen der zehn Häuser, die auf Baufeld A und B zurzeit noch im Bau sind, werden im Dezember bezogen. «Die Terminierung war eine der grössten Herausforderungen», sagt Christophe Zemp. Der Bauleiter der Schärli ­Architekten AG trifft sich jeden Montag mit den Verantwortlichen zur Bausitzung. Sanitär, Gipser und Maler müssten sich exakt an den «sportlichen Terminkalender» halten, ­betont Zemp. Bis jetzt hat das geklappt: «Die Rohbauarbeiten sind fast auf den Tag genau fertig geworden.» Vom Rohbau bis zum Wohnungsbezug werden sechs Monate einberechnet.

Unterstützung der Polizei

Neben der Qualitätskontrolle, die bei jedem Bauprojekt zentral ist, streicht Christophe Zemp einen weiteren Punkt hervor: «Ordnung auf der Baustelle ist uns sehr wichtig, denn dabei geht es auch um Sicher­heit und Sorgfalt». Ein an und für sich simples An­liegen, aber Ordnung auf der Baustelle durchzusetzen sei ein täglicher Kampf, ­betont der Bauleiter.
 
Weitere grosse Themen sind Logistikund Sicher­heit. Die ganze Baustelle ist komplett eingezäunt und nicht zugänglich. Zur Sicherung des Schulwegs und für die Verein­fachung der logistischen Abläufe wurde eine Baupiste im Einbahnverkehr mit provisorischer Ausfahrt erstellt. Ein Konzept, das mit der
Polizei erarbeitet und der Schule und Nachbarschaft vorgestellt wurde. Die Baupiste, auf der heute noch allerlei Baumaterial steht, wird im Rhythmus der ­Bezüge rückgebaut.

Preiswert und nachhaltig

Total 58 Mietwohnungen mit Einheiten von 2,5 bis zu 5,5 Zimmern entstehen auf Baufeld A. Im Parterre liegen Maisonettewohnungen sowie Garten­wohnungen. Im Attikageschoss befindet sich je eine grosszügige 5,5-Zimmer-Wohnung mit Terrasse. Auf Baufeld B hingegen werden 55 Eigentumswohnungen erstellt. Sämtliche Wohnungen liegen im mittleren Preissegment und werden im Minergie-Standard gebaut. Die Bauherrin für diese beiden Baufelder, die ­Katholische Kirchgemeinde Luzern, will mit dem Projekt ­gesellschaftliche Verantwortung im ­Liegenschaftsmarkt wahrnehmen und zugleich einen nachhaltigen Ertrag erwirtschaften. «Wir wollen unser Tafelsilber nicht verscherbeln, ­sondern ­bewirtschaften», sagt Kirchenrat Herbert Mäder zur grossen Investition der Kirch­gemeinde.
 
«Günstiger Wohnraum mit hohem Ausbaustandard zu schaffen», nennt auch Urban Oberholzer eines der Hauptziele des Projekts. Er ist Architekt bei Schärli Architekten Luzern, die in einer ARGE mit Cometti Truffer Architekten in Luzern den Wettbewerb für die Gesamtüberbauung gewonnen hatten. Die Kernidee war eine Siedlung mit familienfreundlichem Charakter in Anlehnung
an die Vorbilder der Gartenstadt-Idee (siehe «Nachgefragt»). Die Setzung der Bauten nimmt zudem Bezug auf die bestehenden Wohnsiedlung südlich des Areals.

Ornamente schaffen Identität

Das Spezielle an den Parkwohnungen Wesemlinwald sind die zwei Auftraggeber. «Wir haben die Projekte wie zwei separate behandelt, das Ganze aber auch als Einheit betrachtet», sagt Oberholzer. Einen Beitrag dazu trägt unter anderem das ­Farbenkonzept bei, das die ARGE Cometti Truffer und Schärli Architekten in Zusammenarbeit mit der Farbgestalterin Susanne Schmid entwickelt hatte. In den erdigen Fassadentönen, den ausgewählten Farbkombinationen oder in der Wahl des mineralischen Farbmaterials zieht sich die Natur als Thema durch die Gestaltung. Jeder Wohnkubus hat einen kräftigen Farbakzent in den Durchgängen. Sattes Orange kontrastiert etwa mit Hellblau, Sonnengelb mit Sand. Im ­Innern der Bauten setzt sich die Farbgestaltung fort. Die Treppenhäuser sind mit organischen ­Ornamenten versehen, für die Pflanzen als ­Vorlage dienten. Sie wiederholen sich in jedem Wohnhaus, nur die Farbe variiert. Die Verzierungen, die direkt auf den Sichtbeton aufgetragen werden, verleihen jedem Wohnhaus eine eigene Identität, sind aber zugleich auch ein einheitliches Merkmal der ganzen Siedlung.

Viele kleine Auflagen

«Wir hatten zahlreiche kleine Auflagen, die das ganze Projekt komplex machten», nennt Ober­holzer eine der Besonderheiten im Fall Über­bauung Wesemlinwald. Auf dem Areal standen ­beispielsweise drei unter Schutz stehende, rund 150-jährige Eichen. «Sie sind wohl schon Identifikationspunkt ganzer Generationen. Entsprechend ­haben wir alles unternommen, um deren ­Bestand zu garantieren», sagt der Architekt. Um das Ensemble zu ergänzen, werden noch neue Eichen gepflanzt. Auf den Baufeldern C und D standen einst zudem Obsthaine. In Anlehnung daran wurde im ­Baufeld D zwischen jede Zeile eine andere Baumart gepflanzt.

Schöner wohnen für Fledermäuse

Auch mit der Fauna mussten sich die Verantwortlichen beschäftigen. Denn in der alten Scheune, die auf der zu überbauenden Wiese stand, hausten Fledermäuse. «In Zusammenarbeit mit den Fledermausbeauftragten der Stadt Luzern haben wir eine sehr unspektakuläre Lösung an den Fassaden der untersten Häuserzeile gefunden», erklärt Ober­holzer. So gelangen die Tiere über Schlitze unter den Dachrand und können diesen weiter­hin bewohnen.
Schliesslich war da noch eine kleine Weg­kapelle, die mitten auf Baufeld D stand. Das schmucke Gotteshäuschen musste weichen, steht heute aber nur 300 Meter vom alten Standort entfernt (siehe «Eine Kapelle geht auf Reisen», Seite 30). Es steht direkt am Weg, der vom Alters- und Pflegeheim zur Überbauung führt. Von hier reicht der Blick hinunter auf die Wohnsiedlung Wesemlinwald. Fast scheint es, als wache das Kirchlein über die Bauarbeiten. Bald schon sind diese ab­geschlossen, und die Bewohner werden hier ihren eigenen kleinen Kosmos schaffen. (ka)
 

Übrige Beteiligte

Bauherren
Katholische Kirchgemeinde Luzern (Baufeld A und B)
Gesellschaft Altersheim Unterlöchli. Luzern (Baufeld D und C)
 
Architektur / Bauleitung
ARGE Cometti Truffer und Schärli Architekten AG, Luzern
 
Bauunternehmung
Estermann AG, Geuensee
 
Bauingenieur
ewp Bucher Dillier AG, Luzern, www.ewp.ch