Stadtbilder und Stadtträume

Stadtbilder und Stadtträume

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Teaserbild-Quelle: ETH Zürich, Graphische Sammlung
Zu einer Zeitreise durch ideale und reale Städte lädt derzeit die Graphische Sammlung der ETH ein. Dabei werden kostbare Schätze ans Licht gebracht: Von Ansichten aus der Schedelschen Weltchronik bis hin zu Gottfried Sempers Entwürfen für das Zürcher Stadthaus.
 
 
Die Stadt ist von einer kreisrunden Mauer umgeben. Darin prangt der Sultanspalast, weiter hinten ist die Hagia Sophia zu erkennen. So sah der Leser der Schedelschen Weltchronik im 15. Jahrhundert Konstantinopel. Fast photographisch exakt hingegen zeigt sich das Panorama der Stadt Zürich, das Heinrich Keller anfangs 19. Jahrhundert zeichnete. – Nicht nur persönliche Erfahrungen und Eindrücke prägen das eigene Verhältnis zur Stadt sondern auch die Bilder, die über Jahrhunderte hinweg von ihr geschaffen wurden. Das heisst, ihre Abbilder aber auch die Bild gewordenen Träume der idealen Stadt. Dies zeigt derzeit die Ausstellung, die zahlreiche Höhepunkte aus den Beständen der Sammlung vereinigt.

Alles fing 1856 an

Ursprünglich hat alles im Jahr 1856 mit gerade Mal 59 Büchern angefangen: Sie bildeten der Grundstock der ETH-Bibliothek bei der Gründung des Polytechnikums. Die Bibliothek musste damals vollständig neu aufgebaut werden, und zwar mit Schwerpunkt Architektur. Weil nur wenig Geld zur Verfügung stand, konnten die Professoren Bücher vorschlagen, die sie als für das Studium der Architektur wichtig betrachteten. So empfahl etwa Architekt Gottfried Semper, der damals an der ETH Professor war und gleichzeitig auch das Hochschulgebäude entworfen hatte, seine eigenen Schriften anzuschaffen. Daneben fanden aber auch Klassiker Eingang in die Sammlung, wie die „Zehn Bücher über Architektur“ von Vitruv. Im Laufe der Zeit entstand so ein wertvoller Fundus. Davon zeigt die Graphische Sammlung 26 der schönsten und bedeutendsten Ausgaben. Besonders spannend sind diejenigen Werke, die sich mit Visionen der idealen Stadt befassen, aber auch technische Darstellungen. So zeichnete etwa Hubert Gautier schon im 18. Jahrhundert nicht nur von Bauwerken Querschnitte sondern auch von Strassen. Damit legte er einen der Grundsteine für den modernen Strassenbau.

Schauen und Lesen

Wer sich intensiver mit der Ausstellung auseinander setzen möchte, findet im reich bebilderten und informativen Katalog zur Ausstellung weiterführende Artikel zu den Ausstellungsschwerpunkten. Er lädt nicht nur zum Lesen sondern auch zum Schauen ein: Darstellungen aus der Schedelschen Weltchronik aus dem Jahr 1493, einem der bedeutendsten Zeugnisse deutscher Buchdruckkunst, gehören ebenso dazu wie akribische gezeichnete Pläne idealer Städte oder Festungen. (mai)
 

Ausstellung

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr; Mittwoch bis 19 Uhr; Samstag und Sonntag geschlossen
 
Adresse: Graphische Sammlung der ETH, Rämistrasse 101, 8092 Zürich
 
Katalog zur Austellung: "Die Stadt. Ihre Erfindung in Büchern und Graphiken", gta-Verlag Zürich 2009; 144 Seiten; ca. 70 Farbabbildungen; ISBN 978-3-85676-257-5; 48 Franken