St. Gallen: Marodes Theater wird saniert und erweitert

St. Gallen: Marodes Theater wird saniert und erweitert

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Teaserbild-Quelle: Theater St. Gallen, Tine Edel

Der bald 50 Jahre alte Betonbau des Theaters St. Gallen muss saniert werden. Teile des Gebäudes sind veraltet, sogar Asbest gibt es. Die Kosten belaufen sich auf 47,6 Millionen Franken, für deren Bewilligung keine Volksabstimmung nötig ist. Der Theaterbetrieb wird während der Bauzeit von zwei Jahren in ein Provisorium verlegt.

„Das Gebäude ist ins Alter gekommen“, sagt der St. Galler Bauchef Marc Mächler. Am 15. März 1968 sei der Betonbau eröffnet worden und seither nie von Grund auf renoviert worden. Lediglich einzelne Gebäudeteile wurden ersetzt, Umbauten vorgenommen und die Werkstätten erweitert. Nun könne man nicht mehr „mit einer Salamitaktik weiterfahren“, es brauche eine umfassende Sanierung.

Asbest und Handarbeit

Kantonsbaumeister Werner Binotto schildert den Zustand des Gebäudes: „An der Betonfassade sind Abplatzungen und Risse zu sehen, dazu hat es Asbest in den Fugungen der Verglasung.“ Wegen der Glasfassade des Foyers heize man zum Fenster hinaus. Rostige Heizleitungen seien entdeckt worden. Die Bodenheizung im Foyer musste vor drei Jahren abgestellt werden, weil sie nicht mehr dicht war. Weiter befindet sich im Theater eine der ältesten Lüftungsanlagen, „die schweizweit noch in Betrieb ist“. Ausserdem liessen sich neben den allgemein beengten Verhältnisse auch zahlreiche arbeitsrechtliche Vorschriften nicht mehr einhalten. So gibt es etwa in den Werkstätten kein Tageslicht, und die Garderoben- und Maskenräume sind völlig unzureichend. Es fehlen etwa geschlechtergetrennte Garderoben und sanitäre Einrichtungen. Ausserdem ist für Rollstuhlfahrer die Studiobühne nicht erreichbar. Hinter der Bühne fehlen elektrische Winden, sodass Requisiten an Seilen durch Muskelkraft bewegt werden müssen. Hebefiguren zu üben ist ebenfalls eine Herausforderung: Die Tänzer stossen sich an der niedrigen Decke nämlich den Kopf an. „Es handelt sich fast um einen denkmalgeschützten Theaterbetrieb“, scherzt Binotto.

Anbau nötig

Die Liste der Instandsetzungsarbeiten ist lang: Die Verglasung im Foyer zum Stadtpark hin und sämtliche Eingangstüren des Haupteingangs müssen ersetzt werden. Ausserdem wird ein Teil der Fassade erneuert. Die Flachdächer werden instandgesetzt und die Lifte an heutige Normen angepasst. Ausserdem muss ein Grossteil der Haustechnik erneuert werden. Weiter stehen Arbeiten an der betrieblichen Infrastruktur an, und die Anlagen der Bühnentechnik werden komplett ersetzt. Winden müssen instandgesetzt und die verbliebenen Handzüge durch elektrische Winden ersetzt werden. Ausserdem wird es eine neue Theaterbestuhlung geben. Sie wurde 1993 zum letzten Mal neu bezogen und ist heute entsprechend durchgesessen.

Weil zusätzlicher Raum benötigt wird, muss das Theatergebäude um 750 Meter erweitert werden. Das geschieht mit einem Anbau an der nordwestlichen Gebäudeecken. So könnten die aktuellen Arbeitsplatzvorschriften erfüllt und angemessene Künstlergarderoben und Maskenräume zur Verfügung gestellt werden, heisst es. Die Arbeitsräume im UG werden künftig mit Tageslicht versorgt. Ausserdem wird die Decke im Bühnenbildlager erhöht. Das gilt auch für den Ballettsaal.

Provisorium im Stadtpark

Um während der Bauzeit, die zwei Jahre in Anspruch nehmen wird, den Theaterbetrieb aufrecht erhalten zu können, wird auf ein Provisorium zurückgegriffen. Gebaut wird es zwischen dem Kunstmuseum und dem Historischen und Völkerkundemuseum. Ein solches Projekt im Stadtpark sei „eine diffizile Sache“, sagt Kantonsbaumeister Binotto. Unter anderem gehe es dabei um Bäume. Zwar sei die „Jubiläumslinde“ auf dem Areal nicht betroffen, dafür je nach Gestaltung des Baus aber ein zweijähriger Spitzahorn sowie eine zehnjährige Esche.

Das Provisorium wird Platz für einen Publikums-, einen Bühnen- und einen Backstagebereich bieten. Allerdings wird es weniger Sitzplätze geben: Die Zahl wird von 700 auf 500 reduziert.

Volksabstimmung nicht zwingend

Das Erneuerungs- und Erweiterungsprojekt schlägt mit Kosten von 47,6 Millionen Franken zu Buche. 38,1 Millionen fallen auf werterhaltende und 9,5 Millionen auf wertvermehrende Massnahmen. Der Provisoriumsbau wird etwa 4,5 Millionen Franken kosten. Der Kantonsrat soll das Geschäft an der kommenden Junisession in erster Lesung beraten. Die zweite Lesung ist dann für die Septembersession angesetzt. Geht alles glatt, könnte im Herbst 2019 mit dem Umbau begonnen werden.

Eine Volksabstimmung ist nicht nötig, weil der wertvermehrende Anteil der Bauvorlage weniger als 15 Millionen Franken beträgt. Allerdings ist das fakultative Referendum möglich. (sda/mt)