Spektakuläre Sprengung in Solothurn

Spektakuläre Sprengung in Solothurn

Gefäss: 

Auf dem Areal der ehemaligen Cellulosefabrik Borregaard in Luterbach bei Solothurn sind letzte Woche zwei Gebäude gesprengt worden. Obwohl es sich um eine komplizierte Sprengung handelte, fielen die 60 000 Kubikmeter wie gewünscht zusammen. Damit macht der Kanton Solothurn Platz für eine Medikamente-Produktionsanlage der Firma Biogen, die rund eine Milliarde Franken in das Areal investieren will.

Im Hintergrund laufen Wetten, ob das Hackschnitzelsilo auch wirklich wie gewünscht in drei Teile zerbricht», meinte Sprengmeister Walter Weber vor der Sprengung. Aufgrund seiner gedrungen Bauart sei das Gebäude mit Baujahr 1968 nämlich heikel zum Sprengen. «Trotzdem macht eine Sprengung bei diesem Gebäude mehr Sinn als ein konventioneller Rückbau, da so sicheres Arbeiten in vernünftiger Höhe gewährleistet werden kann», meinte Weber.

Damit das Hachschnitzelsilo auch wie gewünscht mittels Fallrichtungssprengung zur Seite gelegt werden konnte, wurden die eine Seite des Gebäudes bis auf drei Pfeiler komplett weggesprengt. «Da sich aber der Drehpunkt nicht in der gegenüberliegenden Wand, sondern innerhalb des Grundrisses befindet, muss der Körper genug Schwung bekommen, damit er auch wie gewünscht fällt», erklärte Weber. Der heikle Punkt dabei war das Auflager des Drehpunktes. Wäre dieses nicht frühzeitig kollabiert, wäre das Hackschnitzelsilo nicht vollständig gekippt. «Das wäre sicherheitstechnisch nicht relevant, aber natürlich unschön», so Weber.

1,2,3 – Boom!

Als um Punkt 14 Uhr am letzten Freitag dann der Solothurner Baudirektor Roland Fürst im Beisein von rund 100 Gästen auf den Knopf drückte, waren die Bedenken von Weber aber schon fast Makulatur. Innert sechs Sekunden fielen zuerst der 40 Meter hohe Liftturm und danach das Hackschnitzelsilo in sich zusammen. «Die Sprengung verlief absolut wunschgemäss, ich bin sehr zufrieden. Das Silo zerfiel zwar in mehr als drei Teile, aber das ist für die weiteren Arbeiten noch besser», meinte Weber nach der Sprengung. Für ihn folge jetzt nur noch die Analyse der Sprengung, denn das Schöne an seinem Job sei, dass man hinterher nicht aufräumen müsse.

Wie errechnet fiel auch der Liftturm fast in seiner ganzen Länge seitlich zu Boden. Für die Sprengung des Silos setzte die GU Sprengtechnik AG 21 Kilo und für den Liftturm vier Kilo hochbrisanten Sprengstoff ein. Dieser hat die Eigenschaft, dass er den Beton schlägt und nicht nur schiebt. Die Zündung erfolgte elektronisch, ferngesteuert.

400 neue Arbeitsplätze

Die Sprengung war der erste Schritt in Richtung Räumung des Südteils des Borregaard-Areals, welches zu den grössten, noch unbebauten Industriearealen der Schweiz gehört. Ende dieses Jahres will die Biotechnologiefirma Biogen bereits mit dem Bau einer neuen Medikamenten-Produktionsanlage beginnen. Dies hatte der weltweit tätige Konzern vor knapp drei Wochen bekannt gegeben. Insgesamt sollen auf der 22 Hektar grossen Fläche 400 Arbeitsplätze entstehen, was Biogen rund eine Milliarde Franken kosten wird.

Teil des Vertrags zwischen Biogen und Kanton Solothurn ist aber, dass der Kanton als Besitzer der Industriebrache das Areal vorbereitet. Zu diesen Arbeiten gehört nebst der Sprengung die Sanierung der Altlast. Diese besteht aus vermoderten Holzschnitzeln, die nach der Entnahme von Kies zum Auffüllen des entstandenen Loches benutzt wurden. Zudem wird das 22 Hektaren grosse Terrain gemäss Absprache mit Biogen nivelliert. Weiter werden bis zum Baubeginn eine Starkstromleitung in den Boden verlegt sowie die Linienführung eines Anschlussgleises geändert. Das Gelände wird auch verkehrstechnisch und bezüglich Energie, Wasser und Abwasser erschlossen.

Wiederbelebung der Brache

Die neue Medikamenten-Fabrik soll Anfang 2019 in Betrieb gehen. Der Kanton Solothurn hatte sich dank Sonderefforts von Regierung und Verwaltung bei der Bewerbung gegen weltweite Konkurrenz durchgesetzt. Der Vertrag zwischen dem Kanton Solothurn und Biogen war am 30. Juni unterschrieben worden. Deshalb hatten die Verantwortlichen nur 17 Tage Zeit, um die Sprengung vorzubereiten. «Das war wenig Zeit und für mich sowieso ein spezieller Auftrag, da ich aus der Gegend komme», sagte Projektleiter Felix Hofer.

Der Einzug von Biogen im Borregaard-Areal ist allerdings nur ein Teil der grossangelegten Wiederbelebung der Industriebrache. So erstellt der Kanton Solothurn zwischen Aare und Biogen-Areal eine 56 000 Quadratmeter grosse Parkanlage. Diese bildet den Übergang vom öffentlichen Bereich entlang der Aare zum nicht eingezäunten Biogen-Gelände.

Noch offen ist allerdings, was mit dem Fabrikareal nördlich der Aare passiert, wo noch immer die grossen Fabrikgebäude der früheren Cellulosefabrikation stehen. Diese liegen allerdings auf dem Gemeindegebiet von Riedholz und sind schützenswerter, da älter und schöner. Biogen habe auch daran Interesse, hiess es von Seiten des Kantons. Allerdings soll dort keine zweite Fabrik entstehen, sondern Wohnraum für die Biogen-Mitarbeitenden. Die Gemeinde Riedholz hingegen wünscht sich eine Mischnutzung. Vom Borregaard-Areal wird man also auch in Zukunft noch hören. (Stefan Breitenmoser)