Speicherturm für Mehrfamilienhaus

Speicherturm für Mehrfamilienhaus

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Teaserbild-Quelle: Bild: Jenni Energietechnik

Ein ausgeklügeltes Energiekonzept macht aus einem Betonbau der 70er-Jahre in Zürich einen Plusenergie-Bau. Das Herzstück ist ein 19 Meter hoher Warmwasserspeicher, der in einen nicht mehr gebrauchten Abluftschacht eingebaut wurde.

Ein Mehrfamilienhaus an der Stettbachstrasse 43 in Zürich wird derzeit einer umfassenden energetischen Erneuerung unterzogen. Denn der Betonbau aus den 70er-Jahren stammt in dieser Hinsicht aus einer völlig anderen Zeit. So wies die Konstruktion bis anhin zum Beispiel systematische Wärmebrücken und nur eine minimale Innendämmung auf. Der Energieverbrauch schlug mit 30‘000 Litern Erdöl pro Jahr zu Buche. Zu viel, dachte Architekt Beat Kämpfen des Büros kämpfen für architektur ag in Zürich.

Das Herzstück seines neuen Energiekonzepts ist ein Solarspeicher – und zwar einer, der ganze 19 Meter hoch ist. Kürzlich wurde er zur Baustelle transportiert und in einen Schacht eingelassen. Dieser befindet sich in der Mitte des Gebäudes und diente früher der Abluft aus der Tiefgarage. Der Zylinder fasst 18‘000 Liter Wasser und ist nun die eigentliche Energiezentrale des gesamten Hauses. Seine „Zulieferer“ sind 180 Quadratmeter Sonnenkollektoren an der Ost-, Süd- und Westfassade. Dadurch ist die nutzbare Solarenergie relativ gleichmässig übers ganze Jahr verteilt. Die Kollektoren sind mit einem neuartigen, bronzefarbenen Glas abgedeckt und prägen die architektonische Erscheinung. Sie laden aber nicht nur den Solartank, sondern unterstützen auch vier Erdsonden, die jeweils 235 Meter tief sind. Auch vom Dach wird Strom an den Speicher in der Mitte „geliefert“. Eine Photovoltaik-Anlage mit 30 kW Leistung wurde montiert.

Im Zug der Erneuerung entsteht auch mehr Wohnfläche. Bisher bot das Gebäude Platz für 42 Ein-Zimmer-Wohnungen, sechs Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie einen Gemeinschaftsraum und weitere Nebenräume im Erdgeschoss. Nun kommt ein Attikageschoss in vorfabrizierter Holzbauweise hinzu, in dem zwei Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie zwei Drei-Zimmer-Wohnungen untergebracht sind. In den Normalgeschossen sind ausserdem einige Wohnungen zusammengelegt worden. Über dem Erdgeschoss werden des Weiteren Betontröge für eine Begrünung des Gebäudes angebracht.

Der Energieverbrauch des Mehrfamilienhauses kann bei gleichzeitiger Vergrösserung der Wohnfläche um 22 Prozent oder von rund 300‘000 kWh/a auf rund 90‘000 kWh/a reduziert werden. Pro Quadratmeter Wohnfläche ergibt das eine Verringerung um den Faktor vier. Das erneuerte Gebäude erfüllt den Minergie-A-Standard und ist ausserdem die erste Erneuerung eines grösseren Mehrfamilienhauses nach diesem Standard in der Schweiz. (mt/pd)