Sommerwärme gegen Winterkälte

Sommerwärme gegen Winterkälte

Gefäss: 
In der Überbauung „Suurstoffi“ in Risch Rotkreuz ZG entsteht der bisher grösste Erdspeicher mit Anergienetz der Innerschweiz. Damit werden die rund 600 Wohnungen und 2'500 Arbeitsplätze des neuen Quartiers CO2- und schadstofffrei mit Wärmeenergie versorgt.
 
Auf dem Areal der „Suurstoffi beim Bahnhof Rotkreuz, wurde einst reiner Sauerstoff produziert. Hier erstellt die MZ-Immobilien AG ein ganzes Quartier mit gemischter Nutzung - Wohnen, Dienstleistung, Arbeiten. Darin integriert wird das bisher grösste in der Innerschweiz erbaute Anergienetz. Dieses Konzept der Energieversorgung ermöglicht laut MZ-Immobilien-Direktor Kim Riese, dass die gesamte benötigte Energie für das Quartier mit rund 150'000 Quadratmeter Nutzfläche vollständig vor Ort erzeugt wird. Ende 2011 sollen die ersten Wohnungen bezogen werden. Die Fertigstellung des gesamten Projekts soll bis 2018 abgeschlossen sein. Im Sinne einer Förderung ökologischen Bauens unterstützt der Kanton Zug das Nachhaltigkeitskonzept der Überbauung mit 125'000 Franken.
 
Die Wärmeversorgung basiert im Wesentlichen auf Wärmerückgewinnung und saisonaler Speicherung sommerlicher Überschusswärme. Diese wird über den Anergieverbund gefasst, in einem grossen Erdsondenfeld (1. Etappe: 220 Sonden mit einer Abteufung von 150 Metern) gespeichert und im Winterhalbjahr für Warmwasser und Raumwärme wieder entzogen. Die im Quartier installierten Photovoltaikanlagen decken den Energiebedarf der haustechnischen Anlagen.

Nachhaltigkeit als Basis für das Gesamtprojekt

Auch sonst zeichnet sich der neue Ortsteil in Sachen Nachhaltigkeit aus: Der haustechnische Betrieb der Bauten erfolgt vollständig CO2-frei und emissionsfrei. Das Quartier ist autofrei, es sind nur Fuss- und Velowege vorgesehen. Der motorisierte Verkehr wird nur am Rand der Siedlung oder unterirdisch geführt. Durch städtebauliche Vorkehrungen ist sie Quartier trotz exponierter Lage weitestgehend vor Lärm geschützt.
 
Das Projekt wird vom Zentrum für Integrale Gebäudetechnik der Hochschule Luzern begleitet und auch qualifiziert. Ein jährliches Monitoring soll dabei Grundlagen für kontinuierliche Verbesserungen und für weitere nachhaltige Projekte liefern. (mai/mgt)
 
 

Hintergrund: Anergienetz

 
Bei dem gebäudeübergreifenden „Anergienetz“ (kühles Fernwärmenetz) der Überbauung handelt sich um ein geschlossenes Netz, das aus einem Warmleiter (Vorlauf) und einem Kaltleiter (Rücklauf) besteht. Über dieses Netz kann nicht mehr benötigte Energie, die Abwärme (z.B. von Kühlgeräten, Klimaanlagen etc.) aus einem Gebäude aufgenommen und einem anderen Haus wieder zur Nutzung (z.B. Warmwasseraufbereitung) zugeführt werden. Im Falle der erwähnten Überbauung kann die gemischte Nutzung als wesentlicher Vorteil ausgespielt werden, der durch das Anergienetz ermöglicht wird. Wohnen hat grundsätzlich einen höheren Wärmebedarf als Büro- und Gewerbenutzungen. Diese wiederum haben eher einen Kühlbedarf als Wärmebedarf. Durch die Abgabe der überschüssigen Wärmeenergie, die durch das Kühlen verursacht wird, kann der Wärmebedarf der Wohnungen grösstenteils abgedeckt werden. Die Jahreswärmebilanz ist somit fast ausgeglichen. Durch die sinnvolle Nutzung der Überschussenergie der Gewerbe- und Dienstleistungsgebäude lässt sich zudem auf teure Rückkühlaggregate verzichten. Für den Fall, dass das Nergiesystem die Überschussenerige nicht zu absorbieren vermag, dient einzig ein minimal dimensionierter Rückkühler als „Überlaufventil“ des gesamten Systems.
 
Dem Anergienetz kommt vor allem während der Übergangszeiten, in der der Wärmeaustausch hauptsächlich innerhalb des Anergienetzes und ohne Einbezug der Erdsonden erfolgt, grosse Bedeutung zu. Ein solches Netz ist gegenüber einer Einzellösung bis zu 30 Prozent effizienter, weil die Gebäude die Überschussenergie durch ein intelligentes Regelsystem optimal nutzen. (mai/mgt)