Solarmodule qualitativ doch gut?

Solarmodule qualitativ doch gut?

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Nur wenige Tage nachdem die unabhängige Zertifizierungsstelle Electrosuisse gemeinsam mit der Supsi einen Artikel über die mangelnde Qualität vieler von ihnen geprüften Solarmodule veröffentlicht hat, meldet sich David Stickelberger vom Schweizer Verband für Solarenergie mit einer Gegendarstellung zu Wort.

Er schreibt: «Eine umfassende, repräsentative PV System-Untersuchung der Firma TNC Consulting AG, Feldmeilen, im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) und der Internationalen Energieagentur (IEA PVPS Task 13) zeigt ein ganz anderes Bild. Hier wurden 1177 PV-Anlagen untersucht, die insgesamt 8 Prozent der bis 2015 installierten PV Leistung der Schweiz entsprechen. Bei 801 Anlagen war der Ertrag durchschnittlich sogar 6,7 Prozent höher. Nur rund 1,9 Prozent der Anlagen scheinen einen geringeren Ertrag als erwartet zu liefern.» Damit sei das vermittelte Bild «…lediglich 50 Prozent ohne Beanstandung» irreführend, zumal man «beim genauen Lesen der Publireportage (...) feststellt, dass dahinter eine sehr geringe Anzahl von Inspektionen steht, womit die Aussagekraft fragwürdig ist. Dies geht auch aus dem Detailtext hervor, in dem beschrieben wird, dass die Erhebung nicht repräsentativ ist. Weiter wird nicht ausgeführt, welche Kriterien dazu führen, dass ein Mangel als nicht akzeptabel taxiert wird». Die Datenbasis sei angesichts der fehlenden Repräsentativität anzuzweifeln.

Wie Stickelberger weiter ausführt, habe man keine Probleme zu erwarten, wenn man die Module bei einem seriösen Händler einkaufe. «Der Händler führt die im Rahmen des Labels angebotenen Qualitätsprüfungen selbst durch. Mit dem Artikel wird Besitzern von Photovoltaikanlagen unbegründet Angst eingejagt.»

Im weiteren Verlauf der Gegendarstellung kritisiert der Geschäftsleiter des Solarverbands das neue Label weiter: «Die zusätzlich angebotene Dienstleistung ist aufgrund der bestehenden Qualitätskontrollen unserer Meinung nach nicht erforderlich. Die zusätzliche Prüfung führt nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu einer Verteuerung der Anlagen. Dies wiederum könnte viele Interessenten vom Bau einer Anlage abhalten, sind doch die Vergütungssätze der KEV und der Einmalvergütung rasch am Sinken, was die Rendite gerade bei Grossanlagen schmälert.»

Was stimmt nun?

Wenn man die Meldung von Electrosuisse (hier) und Stickelbergers Gegendarstellung liest, sollte man im Auge behalten, dass beide ein wirtschaftliches Interesse haben, ihr eigenes Label zu vermarkten. Denn auch Swissolar bietet mit «die Solarprofis» seit 2002 ein Qualitätslabel an.

Angela Brunner, Fachspezialistin Medien und Politik beim Bundesamt für Energie (BFE) schreibt auf Nachfrage von bauwelt.ch: «Aufgrund der Produktionsdaten von PV-Anlagen, die mit der KEV gefördert werden, sehen wir, dass die Produktion die Erwartungen leicht übertrifft und die Qualität der Anlagen somit mehrheitlich gut ist. Das Label von Electrosuisse kann aber im Sinne einer freiwilligen Überprüfung der Anlage Bauherren helfen, die Qualität der Installation von unabhängiger Seite bestätigen zu lassen. Auch im Fall von Beanstandungen des Bauherrn gegenüber dem Installateur kann eine unabhängige Überprüfung bei der Schlichtung helfen. Die Qualität der PV-Anlagen in der Schweiz ist auch dank dem Label Solarprofi bereits hoch. Eine zusätzliche Begutachtung von PV-Anlagen, z.B. durch Electrosuisse, kann im Einzelfall durchaus einen Mehrwert schaffen.» (nge) via