Solarkugeln: Strom aus Mondlicht

Solarkugeln: Strom aus Mondlicht

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Teaserbild-Quelle: Bild: pd
Man muss nicht in eine Glaskugel schauen, um zu wissen, ob man künftig auch nachts Solarstrom produzieren kann. Ein deutscher Architekt hat es in Spanien getestet und gezeigt, dass das nicht nur funktioniert, sondern sogar effizient ist.

André Brößel, der in Barcelona lebt, hat vor rund drei Jahren damit begonnen, Solarkugeln zu entwickeln, die nicht nur bei direkter Sonneneinstrahlung, sondern auch bei bewölktem Himmel und sogar bei Mondlicht Strom erzeugen können. Mit einer Crowd-Funding-Kampagne sammelt er zurzeit das benötigte Start-Kapital im Internet ein, um die Kollektoren mit seiner Firma Rawlemon zur Marktreife zu bringen.

Konventionelle Photovoltaik-Anlagen können zurzeit nur etwa 15 Prozent des Sonnenlichts in Energie umwandeln, und bewölkter Himmel sorgt für einen „Produktionsausfall“ von weiteren 40 Prozent. Auch die Speichertechnologie ist noch nicht ausgereift genug, um an Sonnentagen erzeugten Strom verlustfrei für Regentage aufzubewahren.

Wie könnte man die Energie des Sonnenlichts auch bei wolkenverhangenem Himmel und sogar nachts zur „Stromernte“ nutzen? Als Antwort auf diese Frage gab sich der Architekt die Kugel – und zwar eine aus Plexiglas, die mit transparenter Flüssigkeit gefüllt ist und damit wie ein Brennglas funktioniert. Die Lichtstrahlen werden so bis zu 20’000-fach verstärkt und erst dann auf eine Solarzelle geworfen. Der grosse Vorteil des Bündelungseffekts ist, dass die Solarkugel auch dort munter Strom erzeugt, wo konventionelle Solarmodule versagen. Insbesondere für oftmals bewölkte, nördliche Breiten ist das eine gute Nachricht.

Die Kombination aus flüssigkeitsgefüllter Glaskugel, Hochleistungssolarzelle und zweiachsigem Micro-Tracker, der computergesteuert eine optimale Verfolgung der Sonnen- oder Mondeinstrahlung erlaubt, bildet eine neue Form von Solaranlage, die laut Brößel im Versuch zunächst einen Wirkungsgrad von 14 und später bis zu 32 Prozent erreichte.

Das System erzeugt angeblich auf einem viertel Quadratmeter beschienener Fläche bereits heute so viel Strom, wie herkömmliche Anlagen auf einem Quadratmeter. Neben dem hohen Wirkungsgrad sind Dezentralität und Ästhetik die Hauptargumente für den Architekten: „Wir glauben, man sollte Energie dort produzieren, wo die Menschen tatsächlich leben – in unseren Städten. Und wir werden es tun, ohne die Schönheit zu opfern, die Transparenz der Fenster oder die komfortable Wohnumgebung.“

Selbst an einer Hausfassade könne mit dieser Bauart ein überraschender Wirkungsgrad von rund 30 Prozent erreicht werden, sagt Brößel. Und wo wenig Platz ist, kann ein Solarpanel mit vielen kleinen Glaskugeln zum Einsatz kommen, das bereits als Prototyp existiert.

Das erste Serienprodukt heißt “Beta.ey” und soll Mitte dieses Jahres auf den Markt kommen. Es ist ein Solarladegerät, das ein wenig an die Glaskugel einer Wahrsagerin erinnert. Der damit bei Sonnen- oder Mondlicht erzeugte Strom soll zum Aufladen eines Smartphones reichen.(tw)