So könnte die Glatt einst fliessen

So könnte die Glatt einst fliessen

Gefäss: 
Die heute begradigte Glatt genügt mittelfristig den Erfordernissen hinsichtlich Hochwasserschutz, Naherholung und Ökologie nicht mehr. Darum und aufgrund der laufenden Planungen für den Flughafen Zürich und die Gemeinde Rümlang gilt es zu klären, wie die Glatt einst verlaufen könnte. Ein Vorprojekt zeigt nun mögliche Lösungen. Es geht dieser Tage in die Vernehmlassung.

Im Rahmen der Erarbeitung des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt für den Flughafen Zürich (SIL-Koordinationsprozess) wurden mit den zehn Nachbargemeinden des Flughafens sogenannte Perimetergespräche geführt. Die Gespräche dienten den beteiligten kommunalen und kantonalen Stellen, den Stellen des Bundes sowie der Flughafen Zürich AG dazu, die künftigen Auswirkungen des Flughafens auf die lokale Siedlungsentwicklung zu beurteilen und Lösungsansätze für die Ortsentwicklung zu prüfen.
 
Dabei zeigte sich, dass im Raum um den heute begradigten und kanalisierten Glattlauf zwischen Glattbrugg und Oberglatt an einzelnen Stellen der Hochwasserschutz nicht genügt. Künftige bauliche Entwicklungen des Flughafens und der Gemeinde Rümlang würden zu einer Erhöhung des Schadenpotenzials führen. Zudem besteht an der Glatt aus ökologischer Sicht erheblicher Handlungsbedarf. Das Gebiet hätte ein grosses Potential für eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt, die sich wegen der harten Uferverbauung jedoch nicht entfalten kann.
 
 
Aus diesen Gründen liess die Baudirektion ein Vorprojekt erarbeiten. Es zeigt auf, wie die Glatt hochwassersicherer ausgebaut und gleichzeitig revitalisiert werden könnte. Dabei wird sichtbar, wie die Glatt künftig verlaufen könnte und welcher Korridor dafür raumplanerisch zu sichern wäre. Teil des Projekts ist auch die ökologische Aufwertung des Auengebietes von nationaler Bedeutung zwischen Rümlang und Oberglatt, wie sie der Bund verlangt. In Abstimmung mit den im SIL-Schlussbericht vom Februar 2010 aufgezeigten Entwicklungsmöglichkeiten des Flughafens Zürich entstand das Vorprojekt in zwei Varianten: mit oder ohne Verlängerung der Piste 10/28.
 
 
Das Vorprojekt entstand unter der Federführung des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Die betroffenen Gemeinden und Fachstellen wurden frühzeitig und regelmässig einbezogen. Das Vorprojekt liegt nun vor und geht bei den Fachstellen des Kantons und des Bundes, den umliegenden Gemeinden und der Zürcher Planungsgruppe Glattal sowie der Flughafen Zürich AG in Vernehmlassung. Die Baudirektion hat die Gemeindebehörden, die Grundeigentümer und die betroffenen Bewirtschafter gestern Abend an einer Informationsveranstaltung über das Vorprojekt orientiert.
 
Die geplante Revitalisierung gibt der Glatt ihren ursprünglichen, mäandrierenden Lauf zurück und fördert die ökologische Vielfalt entlang des Gewässers. Es soll eine abwechslungsreiche Flusslandschaft mit Feuchtgebieten, Kleingewässern und lichten Feuchtwäldern entstehen, wo die heute seltene auentypische Fauna und Flora wieder mehr Lebensraum findet. Danach soll das Gebiet extensiv bewirtschaftet werden. Der Fluss und die umliegenden Flächen werden darüber hinaus zu einem attraktiven Naherholungsgebiet der Gemeinden Rümlang, Kloten, Opfikon und Oberglatt, das zum Verweilen und Entdecken der vielfältigen Natur einlädt.
 
 
Koordiniert mit der baulichen Entwicklung des Flughafens erfolgt eine allfällige Umsetzung des Projekts in mehreren Etappen frühestens ab 2015. Die Realisierung wird einige Jahre dauern und soll auf die Zukunftsplanung der in diesem Gebiet tätigen Landwirtschaftsbetriebe abgestimmt sein. (pd)