Sinnvolle Raumplanung gefragt

Sinnvolle Raumplanung gefragt

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Swiss-Image
Die Schweizer Bevölkerung wird in den kommenden Jahren stark wachsen, Grund ist das Wirtschaftswachstum. Dies prognostiziert die Credit Suisse in ihrer Studie. Folgen dieses Trends sind etwa fortschreitende Zersiedelung und weniger Bauland.
Swiss-Image
Quelle: 
Swiss-Image
Besiedeltes Gebiet: das Seebecken und Umgebung Luganos bei Nacht.
 
In ihrer Studie zur Entwicklung der Schweizer Wirtschaft bis im Jahr 2020 rechnet die CS zwar mit einem Wirtschaftswachstum. Aber sie zeichnet das Bild von der künftigen Schweiz nicht besonders rosig, zumindest was die Lebensqualität anbelangt: Die Autoren kommen zum Schluss, dass die Schweiz bis 2020 um eine Million auf rund neun Millionen Einwohner angewachsen sein wird. Auch wenn es das Bundesamt für Statistik - es geht von einem Zuwachs von einer halben Million aus - weniger dramatisch sieht, die Folge des Wachstums ist eine fortschreitende Zersiedelung und eine Verknappung des Baulandes und parallel dazu höhere Mieten und teureres Bauland.
 
Die zuwandernden Menschen und Firmen benötigten Platz, der in der Schweiz heute schon knapp sei, schreiben die Autoren. Auf dem Flickenteppich des Schweizer Mittellandes sei die Bevölkerungsdichte mit rund 400 Personen pro Quadratkilometer schon heute gleich hoch wie in den Niederlanden. Die Autoren rechnen allerdings damit, dass der ökologische Fussabdruck des einzelnen sinken wird. In der Summe könnte indessen kein Idyll, sondern ein Grünflächen optimierender, verdichteter Siedlungsraum um die bestehenden städtischen Zentren entstehen, heisst es weiter. Industrieflächen würden umgenutzt. Die Verkehrsinfrastruktur im Alpenraum sowie bei der Jurakette werde ausgebaut. Damit avancieren diese Gebiete noch stärker zu Naherholungsregionen. Die Schattenseite: Gemäss der Studie geht dieser Ausbau des Tourismusangebots in erster Linie zu Lasten der Landwirtschaft.

Arbeiten in der „Agglo“

Laut der Studie findet eine Konzentration von Arbeitsplätzen statt. So befanden sich 53 Prozent der Arbeitsplätze im Jahr 2008 in der Agglomeration. In den Städten sei beinahe ein Drittel der Beschäftigten tätig. Während in den Städten rund 60 Prozent in der Finanzbranche arbeiten, sind 65 Prozent in der Agglomeration in der Spitzenindustrie und 30 Prozent in der traditionellen Industrie angestellt. Aber auch der Bau zeige in den touristischen Gebieten und ländlichen Gebieten einen relativ hohen Anteil: in Tourismusregionen stellt er etwa 15 Prozent der Beschäftigten, in ländlichen Gebieten 13 Prozent. Demgegenüber arbeiten schweizweit gerade mal neun Prozent in der Baubranche.

Steigende Bedeutung der Baubranche

Die Bedeutung der Baubranche habe sich in ländlichen und touristischen Gebieten in den letzten zehn Jahren  nochmals spürbar erhöht, ist in der Studie zu lesen. Eine Erklärung für die vor allem in den touristischen Regionen höhere Bedeutung der Baubranche dürften die im nationalen Vergleich zwischen 1998 und 2008 überdurchschnittlich gestiegenen Bauinvestitionen sein. Die Ursache für diesen Trend ist wohl in Megaprojekten wie Samih Sawiris Ferienresort oder im Bau von Zweitwohnungen zu suchen. Laut der Studie, die sich dabei auf Daten des Bundesamts für Statistik bezieht, erhöhten sich die realen Neubauinvestionen (Hochbau) in Feriengebieten im Durchschnitt um jährlich vier Prozent. Dem gegenüber stehen die gesamtschweizerischen Investitionen in Hochbauprojekte. Dort wurde ein Jahreswachstum von 1,4 Prozent verzeichnet.
 
Raumplanung wird ein immer wichtigeres Thema werden. „Mit dem in Zukunft stärkeren Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung ist also eine sinnvolle Raumplanung mehr denn ja gefragt“, resümieren die Autoren. (mai)