Sind illegale Abbrüche Einzelfälle?

Sind illegale Abbrüche Einzelfälle?

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Drücken die Behörden bei unerlaubten Abbrüchen beide Augen zu? Der Tages-Anzeiger hat in seiner aktuellen Ausgabe nachgefragt. Eine schlüssige Antwort gibt es kaum. Denn bei Kanton und Heimatschutz ist man sich gar nicht einig.

Man führe keine Statistik zu illegalen Abbrüchen, erklärt der Basler Denkmalpfleger und Präsident der kantonalen Denkmalpfleger Daniel Schneller gegenüber der Zeitung. Deshalb könne er auch nicht sagen, ob die Abbrüche zugenommen hätten oder nicht. „Das ist eine symptomatische Schwäche der föderalen Schweiz“,  kritisiert Adrian Schmid, Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutzes im Tages-Anzeiger. Er führt das Verhalten auf mangelndes Bewusstsein, zu wenig Kenntnis und fehlendes Geld zurück. Des Weiteren fügt er an, dass kantonale Denkmalschützer wegen explodierender Bautätigkeit, steigender Bodenpreise und wegen Sparprogrammen unter „gewaltigem Druck“ stünden und dass die Behörden oft beide Augen zudrückten.  – Wie Schmid weiter gegenüber der Zeitung sagte, fordern die Heimatschützer von der Denkmalpflegerkonferenz, eine entsprechende Statistik zu führen.

Beispiele für den Abbruch geschützter Bauten gibt es aus den vergangenen Jahren einige. Eines der bekanntesten dürfte das 800jährige Haus Nideröst in Schwyz sein, das als ältestes  Holzhaus Europas gilt. Es musste einem Neubau weichen und wurde darauf in seine Einzelteile zerlegt. Immerhin konnte es unter anderem dank des Engagements der Morgartenstiftung  nach langem Hin und Her nach rund 13 Jahren wieder aufgebaut werden. Heute steht es in der Schornen am Morgarten und beherbergt ein kleines Museum. Doch oft heisst es bei solchen Geschichten nicht „Ende gut, alles gut“.  So geschehen vor Kurzem im Kanton Zürich: Die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute „Fröschegrueb“ in Regensdorf  – ein als von der kantonalen Denkmalschutzkommission als wertvoll eingestuftes Bauernhaus – wurde abgerissen. Dies, nachdem der Heimatschutz versucht hatte, das Ende des Gebäudes mittels Beschwerden zu verhindern.  (mai)

Den Artikel des Tages-Anzeigers finden Sie hier: www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/wenn-die-behoerden-bei-illegalen-abbruechen-wegsehen/story/22917767

Mehr über die Fröschegrueb erfahren Sie in den Artikeln Ein Zankapfel namens „Fröschegrueb“ in Regensdorf ZH vom 17. Juli 2015 und in Fröschegrueb: Eigentümer hat mit Abbruch begonnen vom 28. Juli 2015.

In der Ausgabe vom 17. Oktober berichtete das Baublatt über den Wiederaufbau des Hauses Nideröst. Sie können ihn über nachfolgenden Link herunterladen.

(link is external) Wiederaufbau Haus Nideröst: Neuer Auftritt für ältestes Holzhaus

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