Siloballen: Landschaft verschönern statt verschandeln?

Siloballen: Landschaft verschönern statt verschandeln?

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Teaserbild-Quelle: Red Junasun, flickr, CC
Was den Bauern nützt, nervt Wanderer und Spaziergänger auf der Suche nach intakter Landschaft: Siloballen. Die an riesige Insekteneier gemahnenden glänzenden Kunststoffknollen prägen Wiesen und Felder fast überall dort, wo Boden kultiviert wird. Der landwirtschaftliche Informationsdienst rät deshalb dazu, aus ihnen „schöne Pyramiden“ zu bauen oder Hecken um die Lager zu pflanzen.
 
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Leuchtende Ballen des Anstosses: Siloballen.
 
Jetzt leuchten sie wieder allerorten glänzend weiss oder hellgrün auf saftigen Wiesen: Siloballen. Während manche Bauern die mit Polyethylen umwickelten Grasballen scheinbar willkürlich verteilt platzieren, arrangieren sie andere zu Haufen oder stapeln sie mehr oder weniger kunstvoll aufeinander. Manchmal erreichen diese Gebilde Ausmasse, deretwegen für sie eigentlich eine Baubewilligung eingeholt werden müsste. „Beim Einrichten von Siloballen-Lagern bewegen sich die Bauern in einem juristischen Graubereich“, hielt die „Basler Zeitung“ vor einiger Zeit fest. „Eine konkrete Gesetzgebung ist weder in der Raumplanung noch im Landwirtschaftsrecht zu finden.“
 
Die Dinger, die an überdimensionierte Insekteneier erinnern, sind nicht nur erholungsbedürftigen Städtern, die auf dem Land die unversehrte, heile Welt suchen, ein Dorn im Auge, sondern auch etwa dem Landschaftsschutz Schweiz. Dessen Präsident Raimund Rodewald bezeichnet die Megaknollen als „Verplastifzierung der Landschaft“. Besonders lamentabel sei die Situation im Kanton Thurgau, kritisierte er gegenüber der „NZZ am Sonntag“. Die Siloballen seien dort so zahlreich, weil die Wiesennutzung nirgends so intensiv sei wie hier. Er erklärt dies damit, dass dort die relativ intensiv betriebene Milchwirtschaft grosse Futtermengen erfordert. Dies wiederum hat zur Folge, dass das Gras jeweils mehrmals geschnitten wird . Was dabei „geerntet“ wird, wird nicht in Silos gelagert sonder vierfach mit Kunststoff umwickelt. In der luftdichten Hülle vergärt es und verwandelt sich so zu Futter für Kuh und Co.
 
Die Ballen sind - zum Leidwesen mancher - äussert wirtschaftlich: In ihnen lässt sich Gras problemlos und vor allem lange bei jedem Wetter lagern. Was getan werden kann, damit sie die Landschaft nicht verunstalten, zeigt der Landwirtschaftliche Informationsdienst. Er hat unlängst ein besonderes Merkblatt herausgegeben: „Siloballen schön in die Landschaft lagern“. Die Ballen wirkten wie Fremdkörper in der Landschaft, sie könnten aber genauso gut eine Landschaft oder ein Hofbild bereichern, heisst es da. Unter anderem empfiehlt er, nur kleine Mengen (10 bis 15 Ballen) an Gebäuden deponieren, grüne Plastikfolie zu benutzen, eine Hecke um Ballenlager zu pflanzen oder „schöne Pyramiden“ aufzubauen und weniger schöne Ballen in die Mitte zulegen. Schweizer Bauern hätten eine Tradition des schönen Lagerns, zum Beispiel gefällig aufgeschichtete Miststöcke oder Holzbeigen. Eine besondere Herausforderung wäre es laut dem Informationsdienst, „eine hohe Schule der Siloballenlagerung zu entwickeln und als Bauer die Ballen gekonnt, ja kunstvoll um den Hof oder in die Landschaft zu drapieren“. In diesem Zusammenhang wurde gar ein Wettbewerb für besonders schöne und korrekte Siloballenlager ausgeschrieben... Er läuft noch bis 30. September. (mai)