Sieben Ingenieure sind zu wenig

Sieben Ingenieure sind zu wenig

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Über die Sicherheit der Stauwerke wachen zurzeit sieben Ingenieure des Bundesamtes für Energie (BFE). Wegen Neubauten und der mittlerweile bis zu 60 Jahre alten Bauwerke hat sich ihr Arbeitspensum massiv erhöht. Nun schlägt das BFE Alarm und verlangt eine Aufstockung des Personalbestands.
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Der Grimselsee gehört zu den 220 Stauanlagen, die von den Ingenieuren des BFE überwacht werden.
 
 
Die Schweiz ist ein Land der Stauanlagen: Zurzeit stehen über 220 grosse Talsperren unter der Aufsicht des Bundes, für rund tausend kleinere Stauanlagen sind die Kantone zuständig. Aus Sicherheitsgründen müssen diese Bauwerke laufend überwacht werden.
 
Wie bei allen Grosstechnologien sei der Betrieb der Stauanlagen mit Risiken verbunden, schreibt das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) in seiner Medienmitteilung. Die Wahrscheinlichkeit des Versagens einer Staumauer sei jedoch sehr gering, weil die Gesetzgebung hohe Anforderungen an Projektierung, Bau, Betrieb und Überwachung der Staumauern und Dämme stelle, heisst es weiter. Das Uvek sei dafür verantwortlich, dass die Talsperren jetzt und in Zukunft ein hohes Sicherheitsniveau erreichten. Heute wachen über die Sicherheit der Mauern sieben Ingenieure der Sektion Talsperren des Bundesamts für Energie (BFE). Im Laufe der Zeit ist ihre Arbeit jedoch anspruchsvoller und aufwendiger geworden. Grund sind laut Uvek die zunehmende Zahl von Neu- und Umbauten aber auch die Alterung: Die meisten der über 220 grossen Talsperren wurden zwischen 1950 und 1970 gebaut. Dazu gehört auch die 1950 Grande Dixence, die mit einer Höhe von 285 Metern als europaweit höchste Staumauer der Welt gilt.

Komplexe Arbeit

Die Arbeit der sieben Ingenieure des BFE ist vielfältig und komplex: sie führen für jede der über 220 grossen Talsperren Inspektionen vor Ort durch, analysieren die jährlichen Sicherheitsberichte, beschaffen und überprüfen Überwachungsregelemente, definieren Sicherheitsmassnahmen, klären die Bewilligung von Neubau- und Umbauprojekten ab und kontrollieren die Bauarbeiten. Weitere Aufgaben sind etwa das Überprüfen der Notfallplanungen der einzelnen Anlagen, die Oberaufsicht über die kantonale Sicherheitsaufsicht oder die Erarbeitung der relevanten sicherheitstechnischen Grundlagen.
 
Es sei offensichtlich, dass der seit langer Zeit gleich bleibende Personalbestand den heutigen Anforderungen nicht mehr genüge und dazu führe, dass einige Aufgaben nur oberflächlich oder mit Verzögerung durchgeführt werden könnten, hält das Uvek in seiner Medienmitteilung fest. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Bericht einer unabhängigen deutschen Firma, die mit man mit der Überprüfung des Aufsichtsätigkeit bauftragt hatte: laut den Experten braucht es dringend mehr Personal, der Personalbestand müsste von sieben Ingenieuren auf 13 Fachleute aufgestockt werden.

Schwierige Rrekrutierung

Obwohl die Sektion Talsperren die Sicherheitsaufsicht mit grossem Engagement und hohem Verantwortungsbewusstsein wahrnehme und bisher auch ein hohes Sicherheitsniveau habe gewährleisten können, müsse der ungenügende Personalbestand als kritisch eingestuft werden, heisst es. Mit zu wenig Personal ist laut dem Bericht die Sicherheitsaufsicht im erforderlichen Umfang und Zeitrahmen schon heute gefährdet. Trotz der grossen Arbeitslast sei aber die Sicherheit gewährleistet, erklärt Marianne Zünd, Sprecherin des Uvek, gegenüber dem „Tages-Anzeiger“.
 
Das Uvek beantragt nun in einem ersten Schritt dem Bundesrat Aufstockung des Personals um drei Vollzeitstellen. Es behält sich aber vor, erneut Antrag für zusätzliche Personalressourcen zu stellen. Die Personalsuche dürfte sich allerdings schwierig gestalten, denn das BFE sucht Bauingenieure, die sich auf Wasserkraftwerke spezialisiert haben. Damit steht das BFE in Konkurrenz zu den Elektrizitätswerken, die ebenfalls Experten mit einem solchen Profil suchen. (mai/mgt)