SIA: Löhne steigen weniger stark als erhofft

SIA: Löhne steigen weniger stark als erhofft

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Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat mit weiteren Partnerverbänden eine Lohnerhebung durchgeführt. Demnach ist der durchschnittliche Jahreslohn mit 1,7 Prozent weniger stark angestiegen als erwartet. Zudem sind Frauen in den Führungsfunktionen immer noch stark unterrepräsentiert und verdienen auch weniger.

Architekten, Bauingenieure, Kultur- und Vermessungsingenieure, Gebäudetechnikingenieure, Raumplaner und Umweltfachleute haben an der aktuellen Lohnerhebung des SIA teilgenommen, insgesamt 555 Unternehmen und 10‘355 Löhne, heisst es in einer Mitteilung. Die Analyse hat gezeigt, dass der durchschnittliche Jahresgesamtlohn von 98‘830 Franken im Jahr 2013 (damals fand die letzte Lohnerhebung statt) auf 100‘018 Franken zugenommen hat. Unter Berücksichtigung der Teuerung von -0,5 Prozent entspricht dies einer Reallohnerhöhung von 1,7 Prozent. Das sei eine Steigerung, die geringer ausfiel als von den Berufsverbänden erhofft, schreibt der SIA.

Die tiefsten durchschnittlichen Löhne verzeichnen die Landschaftsarchitekten mit 85‘090 Franken, die höchsten die Raumplaner mit 111‘079 Franken. Die durchschnittlichen Einstiegslöhne für Architekten, Ingenieure, qualifizierte Fachmänner etc. reichen laut Mitteilung von 66‘500 bei den Architekten (2013: 65‘700 Franken) bis rund 82‘500 Franken (2013: rund 80‘000 Franken) bei den Bauingenieuren. Praktikanten erhalten durchschnittlich rund 28‘000 Franken (Architekten), 2000 weniger als 2013. Bei den Bauingenieure liegen die Praktikumslöhne bei 39‘000 Franken, 9000 Franken mehr als vor zwei Jahren.

Kaum Frauen auf Kaderstufe

Was die Lohnerhebung ebenfalls gezeigt hat, ist, dass Frauen in fast allen Fachrichtungen tiefere durchschnittliche Löhne erhalten als ihre männlichen Kollegen. Doch die Detailanalyse zeigt laut SIA, dass zumindest die Einstiegslöhne mehrheitlich identisch sind. „Diese Tatsache lässt auf einen Angleichungstrend hoffen.“ Die „signifikanten Lohnunterschiede“ zwischen Frauen und Männern relativieren sich allerdings bei genauer Betrachtung der Details (Altersstufe, Bürogrösse) etwas, heisst es.

Nicht nur die Löhne der Frauen sind tiefer, sondern auch ihre Anzahl in Kaderpositionen. Der SIA bezeichnet sie als „verschwindend gering“. Derzeit seien Frauen in den Planungsdisziplinen mit 20 (Architekten) bis 25 Prozent (Umweltfachmann) auf der Projektleiterebene vertreten. Nur bei den Bauingenieuren (5,8 Prozent) und den Gebäudetechnikingenieuren (3,3 Prozent) falle dieser Anteil noch weitaus geringer aus.

Noch kleiner ist der Frauenanteil bei den Leitern von Grossprojekten beziehungsweise bei den Fachexperten. Mit 12,9 Prozent sind sie bei den Landschaftsarchitekten noch am stärksten vertreten. Gar nicht vertreten sind sie bei den Bauingenieuren.

Die Verbände sind einhellig der Meinung, dass sich die Branche mit ihrem geringen Anteil an Frauen in Führungspositionen „leichtfertig ein sehr grosses Fachkräftepotenzial vergibt“. Deshalb haben sie Aktivitäten in die Wege geleitet, um hier einen Bewusstseinswandel und eine aktive Frauenförderung zu forcieren. Es gehe konkret um faktische Chancengleichheit, geschlechtsneutrale Löhne und flexible Jobmodelle. (mt/pd)