Sgraffito auf Porzellan statt Mauern

Sgraffito auf Porzellan statt Mauern

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Porzellanprodukte mit den bekannten Ritzzeichnungen. (Bild: zvg) 1/5

Die sogenannten Sgraffiti gehören zum Engadin wie die Lauben zu Bern. Die kunstvollen Ritzzeichnungen im Verputz der Häuser werden mit einer ganz besonderen Produktlinie gewürdigt und dabei vor dem Vergessen bewahrt.

Im schönen Bergdorf Sent in der Gemeinde Scuol befindet sich ein Café der besonderen Art: Das «Butia Schlerin Café creativ». Die herzige Kaffeestube liegt im Keller eines Engadinerhauses und hat sich bereits als beliebter Treffpunkt etabliert. Morgens finden sich die Arbeiter und Hausfrauen zum Kaffee trinken ein, nachmittags kommen Touristen oder Mütter mit ihren Kindern. Die Stube dient jedoch nicht nur als Café, sondern ist gleichzeitig auch das grösste Keramikmalstudio im Engadin.

Die «Butia Schlerin Café creativ» wird bereits seit zehn Jahren von Lidia Domenig und Heidi Laurent-Domenig geführt. Das Mutter-Tochter-Gespann hatte die Idee für die einzigartige Produktlinie «Sgrafits engiadinais». Porzellangefässe, Teller, Tassen und Krüge stehen zum Verkauf – nichts Spezielles für ein Keramikstudio. Das besondere an den Porzellangefässen sind die Motive, mit denen sie geschmückt sind: sogenannte «Sgraffiti», die sich normalerweise auf den dicken Mauern von Engadinerhäusern finden lassen. Die bekannten Ritzzeichnungen treten in vielen Variationen auf. Unter anderem lassen sich Drachen, Rosetten, Nixen, Wellenformen, Blumen und geometrische Formen finden. Die verschiedenen Motive haben alle eine Bedeutung: Der Drache schützt beispielsweise das Vermögen und das Wellenband symbolisiert die Lebenslinie.

Die Idee dazu hatte die Tochter Heidi Laurent-Domenig. Die Formen und Figuren der «Sgraffiti» gefielen ihr schon immer. Kurzerhand ging sie mit einem Fotoapparat bewaffnet auf die Strassen und suchte nach Motiven für die Porzellangefässe. Mithilfe eines besonderen Computer-Programms konnten die Fotos von Laurent zu Stempeln für die Porzellanprodukte verarbeitet werden. Das war 2013. Seit dem 11. November gehören der Produktlinie «Sgrafits engiadinais» auch Textilprodukte an. Diese werden in Zusammenarbeit mit Domenica Tischhauser-Gisep, Leiterin der Stoffweberei MIRA X, produziert. Unter anderem gibt es Kissen, Arvensäckli und Etuis mit denselben kunstvollen Motiven. (pb)

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