Selbstmord-Hotspot: Hochbrücke wird gesichert

Selbstmord-Hotspot: Hochbrücke wird gesichert

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An der Hochbrücke in Baden AG, die über die Limmat führt, wird diesen Monat eine optische Geländesicherung zur Suizidprävention installiert. Die schräg montierten Lamellen entlang der Brücke sollen Lebensmüde davon abhalten, spontan vom 28 Meter hohen Bauwerk zu springen.

Die Kosten für die Vorkehrungen betragen 240'000 Franken. Die Stadt bezahlt 60 Prozent und der Kanton Aargau 40 Prozent, wie es an einer Medienkonferenz am Mittwoch in Baden hiess.

Die Hochbrücke, die Baden und Wettingen verbindet, gilt im Kanton Aargau als sogenannter Hotspot für suizidgefährdete Menschen. In den vergangenen zwei Jahren sprang zwar kein Mensch von der Brücke in den Tod. In den zehn Jahren zuvor kam es aber jedes Jahr zu einem Suizid.

Die meisten Suizide würden impulsiv und ohne lange Vorbereitung geschehen, sagte Urs Hepp, Chefarzt bei den Psychiatrischen Diensten Aargau. Erfahrungen zeigten, dass ein erschwerter Zugang zu Suizidmethoden nachhaltig wirke. Suizide könnten verhindert werden.

Brücke soll Sogwirkung verlieren

Die Lamellen an der Hochbrücke würden dem Bauwerk die Sogwirkung nehmen. Diese seien zwar keine unüberwindbaren Barrieren, würden aber präventiv wirken.

Hepp wies darauf hin, dass bei den Fenstern des Kantonsspitals Baden bereits waagrechte Metallstangen installiert worden seien. Seither habe sich kein Patient mehr aus dem Fenster gestürzt. Innerhalb von zehn Jahren hatten sich insgesamt zehn Personen mit einem Sprung das Leben genommen.

Der Badener Stadtammann Geri Müller sagte zur Sicherung bei der Hochbrücke, man sehe sich zusammen mit dem Kanton in der Pflicht, eine Massnahme an der im Kanton höchsten Brücke zu treffen. Die Stadt habe die Situation mit Fachleuten intensiv studiert.

Die Vorkehrungen an der Hochbrücke stellten einen grossen Fortschritt dar, wenn man die Erfahrungen anderer Brückensanierungen wie in der Stadt Bern in Betracht ziehe, hielt Müller fest. Der Umgang mit der Tatsache, dass ein Mensch seinem Leben ein Ende setzen wolle, sei jedoch widersprüchlich und hochsensibel.

Im Kanton Aargau wurden im letzten Jahr 132 Selbstmorde begangen, drei weniger als 2013. Der Grossteil, nämlich 46, geht gemäss Angaben der Kantonspolizei auf das Konto einer Sterbehilfeorganisation. In 22 anderen Fällen liessen sich Personen überfahren. In 21 Fällen erhängten sich die Personen, 15 weitere erschossen sich. (sda)