Selbstfahrende Autos und Jungbrunnen-Pillen

Selbstfahrende Autos und Jungbrunnen-Pillen

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Bis 2019 fahren Autos selbstständig. Und bis 2028 wird es ein Medikament geben, das Menschen dauerhaft jung aussehen lässt. Damit rechnet das US-Unternehmen Envisioning Technology, das eine Liste der zu erwartenden technologischen Durchbrüche der kommenden 28 Jahre erstellt hat. Die Forscher der Firma gingen dazu vom heutigen Stand der Forschung aus und schlossen daraus auf künftige Entwicklungen.
 
„Die Angabe von Jahreszahlen sollte nicht für bare Münze genommen werden. Allerdings ist es interessant zu sehen, woran im Moment geforscht wird“, kommentiert Reinhold Popp, Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg die Voraussagen der Experten von Envisioning Technology. Die Ernsthaftigkeit solcher Prognosen hänge von der Methode ab. „Es gibt durchaus seriöse Institute, die nicht bloss Phantasien fabrizieren. Visionen sind immer nützlich, denn die Überlegungen können in politische Diskurse eingebracht werden“, so Popp. Seriöse Vorhersagen seien vor Überraschungen nicht gefeit, manche Tendenzen würden aber durchaus zutreffen.
 
Aus dieser Perspektive betrachtet, bietet die Liste von Envisioning Technology Interessantes: Die Prognose betreffend selbstfahrender Fahrzeuger stützt sich auf aktuelle Forschung in diesem Bereich. Google plant in dieser Richtung schon erste Testfahrten. Ob die Technologie aber wirklich auf den Markt kommen wird, ist eine andere Frage. „In vielen Fällen scheitert die Umsetzung nicht an den technischen Möglichkeiten, sondern an den Rahmenbedingungen“, erläutert dazu Popp. Hohe Kosten, schlechte Vermarktbarkeit oder schlicht unpraktische Produkte könnten Technologie zurückhalten. Immerhin ist die Prognose von Envisioning Technology seriös genug, um Dinge wie fliegende Autos aussen vor zu lassen. „Viele Technologien stecken schon zu lange in der Pipeline. Auch wenn sie eigentlich plausibel erscheinen, gibt es keine Anzeichen für verstärktes Forschungsinteresse oder einen baldige Marktreife“, erklärt Michell Zappa, der die Datensammlung für die Vorhersage koordiniert hat.

Marketing und hehre Ziele

Dass trotzdem mehr oder weniger exakte Jahreszahlen in der Liste vorkommen, mindert die Seriosität der Prognose. „Das kann auch Marketing-Gründe haben. Wissenschaftler müssen ihre Ergebnisse heutzutage verkaufen", so Popp. Die Ziele von Envisioning Technology sind jedenfalls hehre: „Wir hoffen, Politikern und Unternehmern durch unsere Prognosen bessere Entscheidungen zu ermöglichen. Durch die Reduzierung der Raterei was plausible Zukunftsszenarien angeht, können wir eine bessere Zukunft gestalten.“.
 
Für die nähere Zukunft hält Michell Zappa auch Brillen für wahrscheinlich, die Bilder direkt auf die Netzhaut projizieren. 2030 sollen Displays in die menschliche Haut eingebettet und durch Blut mit Energie versorgt werden. Mitte der 2030er-Jahre sollen bemannte Marsmissionen und ein Weltraumlift Realität sein. Roboter, die den Menschen nervige Hausarbeit abnehmen, soll es bereits zehn Jahre früher geben. (mai/mgt)