Schweizerhalle: 30 Jahre nach Katastrophe noch Spuren im Boden

Schweizerhalle: 30 Jahre nach Katastrophe noch Spuren im Boden

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Die Chemiekatastrophe von Schweizerhalle beschäftigt auch noch 30 Jahre danach die Behörden. Noch immer wird der Boden überwacht – und noch lassen sich Spuren des Pflanzenschutzmittels Oxadixyl nachweisen. Im Januar soll der Schadensplatz neu beurteilt werden.

Kurz nach Mitternacht, am 1. November 1986, nahm das Drama in Schweizerhalle seinen Lauf: In der Lagerhalle 956 der Chemiefirma Sandoz war ein Feuer ausgebrochen, dass sich in Windeseile ausbreitete. Die Flammen waren in der ganzen Region zu sehen, sie färbten den Himmel tieforange. Derweil explodierten vor den Augen der Feuerwehrleuten und der Medien Fässer. Eine gigantische übel riechende Rauchwolke bildete sich über dem Unglücksort und breitete sich nach und nach aus. Wegen des Gestanks wurde die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen zu schliessen. Unterdessen gingen in den umliegenden Gemeinden Sirenenalarm los. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, was genau in Brand gesetzt worden war und ob und wie giftig der Rauch war. Schliesslich hatte die Feuerwehr wenige Stunden später den Brand im Griff. Mehr als tausend Tonnen verschiedener Chemikalien waren in den Flammen aufgegangen. Ihre Überreste – rund 20 Tonnen – flossen in den Rhein und färbten ihn rot und töteten die Fische.

Auch nach 30 Jahre nach der Katastrophe lassen sich noch immer Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden feststellen. Dies erklärte Alberto Isenburg, Leiter des Baselbieter Amtes für Umweltschutz und Energie, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Dies werde auch noch längere Zeit so bleiben. Die Firmen, die weiterhin Messungen am Brandort vornehmen, müssen die Resultate kommenden Januar abliefern. Laut Isenburg wird daraufhin eine altlastenrechtliche Neubeurteilung vorgenommen und schliesslich entschieden, ob die Messungen weitergeführt oder beendet werden. Oder aber, ob es gar zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung braucht. – Der belastete Boden ist gemäss Bundesamt für Umwelt bis in eine Tiefe von elf Metern ausgehoben und gewaschen worden. Zudem wurde der Ort der Katastrophe mit einer Betonplatte abgedichtet.

Der Chemieunfall hatte den Anstoss zur Störfallverordnung gegeben sowie zur Erstellung von Risikokatastern. Zudem mussten bei Industrieanlagen Rückhaltebecken für Löschwasser gebaut werden. In den Vergangenen dreissig Jahren hat sich der Rhein überraschend schnell erholt – heute ist er sauberer als vor dem 1. November 1986. Für die Sandoz-Firmenleitung hatte der Brand keine Folgen, es war ihr keine Verantwortung nachzuweisen. Verurteilt worden waren lediglich zwei Feuerwehrmänner, die ahnungslos Löschwasser in den Rhein geleitet hatten. -  Sandoz leistete später 43 Millionen Franken Schadenersatzzahlungen. Das Unternehmen fusionierte 1996 mit Ciba-Geigy zur Novartis. (mai/sda)