Schweizer Wirtschaft wächst wieder

Schweizer Wirtschaft wächst wieder

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Die Schweizer Wirtschaft könnte bereits ab dem Jahreswechsel wieder ein kleines Wachstum aufweisen. Die Konjunkturprognostiker sprechen vom Ende des Abschwungs. Allerdings sind die positiven Anzeichen mit Vorbehalt zu interpretieren.
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Das KOF-Barometer zeigt für das kommende Jahr überraschend nach oben.
Als letzte wichtige Konjunkturprognose wurde die der Credit Suisse (CS) vorgestellt. Die Grossbank hält ab kommendem Jahr wieder ein Wachstum um 0,6 Prozent für wahrscheinlich. Das bald zu Ende gehende laufende Jahr wird mit einer Schrumpfung der Schweizer Wirtschaft um zwei Prozent enden. Die CS bewegt sich damit in derselben Grössenordnung wie das Gros der Herbstprognosen (siehe Tabelle). Das ist wenig überraschend, weil alle Prognostiker sich auf die vorläufigen, sozusagen «amtlichen» Schätzung des Schweizer BIP-Wachstums durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) stützen. Einzig die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) hatte eigene Werte berechnet und war zu einem stärkeren Einbruch für das laufende Jahr gekommen.
 
Inzwischen hat das KOF-Barometer, der vorlaufende Indikator desselben Instituts, einen überraschend starken Sprung nach oben gemacht. Im September stieg es auf 0,85 Punkte und erreichte damit den Stand von Juli 2008, als die aktuelle Rezession erst noch bevorstand. Dies stützt die positiven Prognosen für das kommende Jahr. Eine ähnliche Messgrösse von der Universität Lausanne (Créa-Barometer) allerdings fällt weiterhin, wenn auch viel weniger stark als bisher; die neueste Messung von letzter Woche lässt zumindest den Schluss zu, dass sich die Wachstumsrückgänge des laufenden Jahres einem Ende zuneigen.
 
Ungefähr diese zurückhaltende Einschätzung ist auch sämtlichen nun vorliegenden Konjunkturprognosen gemeinsam. Noch niemand sagt derzeit einen nachhaltigen Aufschwung voraus, alle Experten sprechen vielmehr von einem vorläufigen Ende der Abwärtsbewegung. Das gilt auch für die KOF, die lediglich die Schrumpfung im laufenden Jahr höher veranschlagt als die übrigen Prognostiker. Wie es ab 2010 weitergehen wird, steht hingegen in den Sternen. Die CS verzichtete sogar ostentativ darauf, bereits für das Jahr 2011 eine Vorhersage abzugeben, wie das einige andere Institute – mit zumeist recht ansehnlichen Wachstumsannahmen – getan hatten. Die Lage sei zu unsicher dafür.
 
Gründe für eine zurückhaltende Prognostik gibt es genug: Der aktuell spürbar werdende Aufwärtstrieb geht auf eine Erholung der Weltwirtschaft zurück, die auf eine Belebung der Schweizer Exporte hoffen lässt. Der Aufschwung fusst aber hauptsächlich auf die weltweit koordinierten Konjunkturstützungsmassnahmen des Auslandes, die in absehbarer Zeit wieder wegfallen werden. Wie danach die globalen Konjunkturtrends aussehen werden, weiss niemand; auf bald wiederkehrende Wachstumsraten wie vor der Finanzkrise sollte man aber besser nicht spekulieren. (Paul Batt)