Schweizer Superbunker: „Graues Wunder“ von Changi wächst

Schweizer Superbunker: „Graues Wunder“ von Changi wächst

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Teaserbild-Quelle: Bild: zvg
Der Schweizer Supersafe «Singapore Freeport» gleich neben Piste 3 des Flughafens Changi ist die Adresse für alle, die Gold, Silber oder Kunstwerke bunkern wollen. Tendenz: steigend.

Ein Bad in Goldstücken nehmen kann man hier nicht, dennoch hätte Onkel Dagobert seine helle Freude am «Singapore Freeport»: sicherer als Fort Knox, 24 Stunden Zugang, Klimatisierung auf Museumsniveau und luxuriöse Privaträume zur Präsentation seiner besten Stücke vor geladenen Gästen oder einfach nur zum Geniessen – so der gleichnamige Betreiber unter Leitung eines Wallisers.

Entworfen wurde der festungsgleiche Safe im tropischen Klima von Schweizer Architekten des Atelier d’Architecture 3BM3, die an ihrem Heimatstandort Genf bereits ein ähnliches Projekt zur Realisierung brachten.

Eine Streckmetallfassade kaschiert, luftigen Vorhängen gleich, die festungsgleichen Betonwände der fiskalen Blackbox mit sparsam gesetzten Lichtschlitzen. Dachoberlichter lenken Tageslicht in die Lobby mit ihrer wuchtigen Stahlskulptur von Ron Arad. Abends bietet die grünlich schimmernde Lichtinstallation von Johanna Grawunder ein anderes Bild, das Edelsteine symbolisieren könnte. Innen dominieren als baulicher Ausdruck von materieller Sicherheit Edelstahl, Gussglas und Sichtbeton, dezent aufgeheitert durch farbige Gestaltungselemente wie zum Beispiel partielle Anstriche, Bedienpanels und Leuchten, wohl um dem Bunker die Schwere zu nehmen.

Erwähnenswert sind auch die technischen Massnahmen, die die Schweizer Architekten und Ingenieure ergriffen, um in den Tropen die Kühllasten der museumsgleichen Klimatisierung etwas abzufangen. Nach Auskunft des Betreibers zählen dazu eine leistungsfähige Dämmung, zum Teil Pflanzenfassaden, die kühlend wirken, Solarpanels und Wasserrecycling.

Steuerliches Niemandsland ist attraktiv für Sammler von Luxusgütern aller Art, da ihnen dort ähnliche Verschwiegenheit und Sicherheit wie im Private Banking geboten wird. Zur Zeit der Projektierung um die Jahrhundertwende sprach vieles für einen Standort in Asien. Mit Ausbruch der Finanzkrise 2008 explodierte die Nachfrage von Privatleuten nach Lagerflächen für Edelmetalle derart, dass der Grundriss angepasst werden musste und das 25'000 Quadratmeter grosse «graue Wunder» von Changi gleich ausgebucht war.

Heute zeigt sich, dass der Kunstspediteur Natural Le Coultre als Initiator des Projekts mit einem steuerfreien Tresor- und Handelsplatz in der Region Asien-Pazifik für Sammler von Edelmetallen, -steinen, Weinen und Kunstwerken den richtigen Riecher hatte. Und die Transportkosten von der Schweiz nach Singapur sind relativ gering.

Das Auktionshaus Christie’s bietet im Supersafe heute ebenso Flächen für seine Kunden an wie der Diamantenspediteur Malca Almit an die UBS oder die Deutsche Bank. Ein starkes Anzeichen dafür, dass Singapur als Vermögenszentrum weiter an Bedeutung gewinnt, ist, dass selbst die Schweizer Nationalbank seit Sommer 2013 in Singapur eine Dependance unterhält. Ausserdem ist der Inselstaat bereits dabei, die Fläche des «Singapore Freeport» zu verdoppeln.(tw)