Schweizer Studie zu Vögeln und Windturbinen: Im Schnitt 20 Opfer pro Jahr

Schweizer Studie zu Vögeln und Windturbinen: Im Schnitt 20 Opfer pro Jahr

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Es ist einer der Hauptkritikpunkte bei der Nutzung der Windenergie: Immer wieder fallen Vögeln ihren Rotorblättern zum Opfer. Wie es in diesem Zusammenhang in der Schweiz aussieht, zeigt eine Studie der Vogelwarte Sempach im Auftrag des Bundesamts für Energie. Sie hat als weltweit erste Untersuchung Opfer und Intensität des Vogelzugs zu einander in Bezug gesetzt.

Damit man die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Zugvögel beurteilen kann, müssen die Anzahl der insgesamt vorbei fliegenden Vögel auch die Zahl der dabei verunglückten Vögel bekannt sein. Dazu nahmen die Experten der Vogelwarte Sempach die Windturbinen und ihre Umgebung am Standort La Peuchapatte im Jura unter die Lupe.  Die drei  im 2010 installierten Turbinen des Typs Enercon E-82 sind inklusive der Rotorblätter rund 150 Meter hoch. An 85 Tagen wurden zwischen Februar und November 2015 das Gebiet im Umkreis von 100 Metern der Anlage systematisch nach toten Vögeln oder vielmehr sogenannten Schlagopfern abgesucht. Parallel dazu wurde während der ganzen Laufzeit der Studie mittels Radar die Anzahl Vögel erfasst, die an den Anlagen vorbeizogen.

Dabei kamen die Forscher zum Schluss, dass den Turbinen im Schnitt etwas mehr als 20 Vögel pro Jahr zum Opfer fallen. Es waren vor allem Kleinvögel, die in der Nacht unterwegs waren, darunter Goldhähnchen und Drosseln aber auch Mauersegler und Stockenten. Die Mehrheit hatte sich beim Zusammenstoss mit den Anlagen Knochenbrüche zugezogen. Diese Unfälle fanden hauptsächlich während Vogelzugsaison statt, im Frühling und im Herbst. Allerdings häuften sich die Kollisionen nicht immer, wenn besonders viele Vögel unterwegs waren. Dies zeige. Dass der Zusammenhang zwischen Zugintensität und Anzahl Schlagopfer viel komplexer sei, als bisher angenommen, schreibt das BFE dazu in seiner Medienmitteilung. „Eine grosse zusätzliche Rolle dürften die witterungsbedingt unterschiedlichen Sichtverhältnisse spielen“, heisst es weiter. „Hier müssten weiterführende Untersuchungen ansetzen.“

Die Resultate dieser Untersuchung dürften allerdings nicht für die ganze Schweiz repräsentativ sein, sondern lediglich für topographisch ähnliche Standorte. Das heisst nicht für die Alpen und das Mittelland.  (mai/mgt)