Schweizer Solartechnik in Marokko

Schweizer Solartechnik in Marokko

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Teaserbild-Quelle: Foto: Airlight Energy

Die Sonne scheint in Marokko fast immer - und stark. Diese Energiequelle soll in Zukunft noch stärker genutzt werden. Anfang des Monats ging die erste Anlage des neuen Solarkraftwerks „Noor 1“ ans Netz. In einer weiteren Anlage des  Schweizer Unternehmens Airlight Energy  werden in Ait Baha neue Solar-Technologien erprobt.

In der Wüste scheinen die Bedingungen zur Gewinnung von Solarstrom ideal. In der zentralmarokkanischen Provinz Ouarzazate eröffnete König Mohammed VI.  am 4. Februar den ersten Teil des Sonnenwärmekraftwerks "Noor 1", das im Endausbau eine installierte Leistung von über 510 Megawatt erbringen soll. Es ist das erste von fünf geplanten Solarkraftwerken in Marokko, die bis 2020 eine Gesamtleistung von 2'000 Megawatt liefern sollen.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte solarthermische Anlage. Dabei werden Sonnenstrahlen mithilfe von Parabolspiegel-Sonnenkollektoren aufgefangen. Die Strahlen treffen in den gekrümmten Parabolrinnen auf, wo sie gebündelt und auf ein mit einer Flüssigkeit gefülltes Rohr geleitet werden. Die Flüssigkeit wird dadurch erhitzt. Im Wärmeaustauscher gibt die  zirkulierende Flüssigkeit ihre Energie wieder ab. Der erzeugte Wasserdampf treibt eine Dampfturbine an.

Die Sonne scheint in Marokko an 365 Tagen im Jahr. Dennoch ist der sandige Standort alles andere als ideal für die empfindlichen Hightech-Installationen. Die Tessiner Firma Airlight Energy sucht deshalb nach neuen technischen, dem Standort besser angepassten Lösungen. In einer Pilotanlage bei Ait Baha in der Nähe der marokkanischen Hafenstadt Agadi wurde über zwei Jahre lang eine einfachere und günstigere Bauweise für Solarkraftwerke erprobt. Die Parabolrinnen-Anlage funktioniert auf dieselbe Weise wie das Megaprojekt „Noor 1“. Das Tessiner Unternehmen ist dieser Technik allerdings voraus. Der Prozess wurde optimiert und geeignetere Materialien eingesetzt. Das Ergebnis: effizienter, billiger und nachhaltiger.

Die drei Kollektoren des Kraftwerks von Ait Baha sind 200 Meter lang und über 10 Meter hoch. Sie wurden vor Ort betoniert und nicht wie üblich aus Stahl gefertigt. Die Kollektoren sind mit einer durchsichtigen Schutzfolie vor Sand und Staub schützt. Der sonst übliche Spiegel wird in der Pilotanlage durch eine reflektierende Kunststofffolie ersetzt, die mit Luft gefüllt ist. Dadurch lassen sich der Druck und ihre Krümmung regulieren, und sie  kann so ausgerichtet werden, dass die einfallende Sonnenstrahlung optimal gebündelt wird. Der Brennpunkt ist auf Schläuche gerichtet, die zwei übereinander positionierte Röhren verbinden. Die in den Schläuchen zirkulierende Luft wird auf bis zu 600 Grad Celsius erhitzt und steigt von der unteren in die obere Röhre. Diese Heissluft wird direkt im Ofen eines nahe gelegenen Zementwerks genutzt oder betreibt eine Turbine zur Stromerzeugung. Wird kein Strom benötigt, wird die Luft in einen Wärmespeicher geleitet. Dafür dient ein mit grobem Kies gefüllter, unterirdischer Behälter, in dem die Hitze bis zu acht Stunden lang gespeichert werden kann. 

Mit der in Ait Baha gewonnenen Energie von rund 4 Megawatt könnten 2000 Schweizer Haushalte versorgt werden. Bis zum Sommer 2016 wird die Pilotanlage von einer externen Firma geprüft. (pd/cb)