Schweizer Laubholz nicht bloss fördern, sondern auch bestellen!

Schweizer Laubholz nicht bloss fördern, sondern auch bestellen!

Gefäss: 
Die Swissbau ist vorbei, die Büros sind wieder besetzt, das Leben in der Baubranche geht seinen gewohnten Gang. Einiges aus Basel bleibt in Erinnerung. Zum Beispiel der «Woodstock» auf dem Messeplatz. Für diesen eigenwilligen Bau griffen die Macher auf Buchenholz zurück. Das ist mehr als ungewöhnlich. Die Buche bietet mit ihren krummen Stämmen wenig Ausbeute für den Säger. Hat man ihr einmal Schnittholz entrungen, so verhält es sich beim Trocknen garantiert unbotmässig. Das Buchenholz, ab Wald gleich teuer wie Fichte/Tanne, kostet ob all der Mühe, die man hat, um es zu zähmen, als baufertige Ware über den Daumen das Doppelte des Nadelholz-Normalfalls.
 
Keine Lösung für den Alltag also, was der «Woodstock» den Messebesuchern in Basel zugemutet hat, schon gar nicht von der Kostenseite her. Um so bewundernswerter ist die Unbeirrbarkeit der findigen Köpfe, die das widerborstige Holz in Basel der Öffentlichkeit samt kompletten Fassaden und Decken vorgeführt haben, um zu beweisen, dass damit etwas anzufangen ist. Wir können es uns schlicht nicht leisten, eine wachsende Ressource mit Nichtbeachtung zu strafen, weil wir mit ihr nicht richtig umzugehen wissen.
 
In unseren Wäldern wächst nämlich immer mehr Laubholz. Weil man der Fichte nicht zutraut, den Klimawandel zu meistern, wird Nadelholz heute nur noch selten in die Bestände gemischt und dafür Laubholz gefördert – mit staatlichem Segen. Zugleich öffnet sich die Schere zwischen steigendem Angebot und dümpelnder Nachfrage immer weiter. Fast hundert Millionen Buchen stehen mittlerweile im Wald und warten darauf, dass jemand etwas mit ihnen anzufangen weiss. Sage und schreibe 1,75 Millionen Kubikmeter Buchenholz wachsen Jahr für Jahr dazu. Bloss, was tun mit diesem Rohstoff? Schweizer Buchenholz dient fast nur noch zum Heizen, und das ist zu wenig.
 
Projekte wie «Woodstock» mögen heute unter den Zwängen des Ist-Zustands im Bauwesen (noch) belächelt werden, aber jemand muss vorangehen, wenn wir wollen, dass auch Buchenholz für möglichst hochwertige Erstverwendungen eingesetzt wird und erst nach einer Kaskade weiterer Nutzungen im Ofen landet statt gleich vom Waldrand weg. Der Bund hat mit dem Aktionsplan Holz des Bundesamtes für Umwelt an der Swissbau ein Zeichen in diese Richtung gesetzt, indem er das Experiment «Woodstock» finanziell kräftig unterstützte.
 
Da wäre es doch schön, wenn die öffentliche Hand auch andernorts sich von der Begeisterung anstecken liesse, die zum «Woodstock»-Engagement geführt hat. Zum Beispiel die SBB, welche im Dezember 2009 für dieses Jahr 8100 Kubikmeter Buche für 80000 Streckenschwellen ausgeschrieben haben, dazu 3000 Kubikmeter Eiche für Weichenschwellen – eine reelle Chance für einheimische Laubhölzer. Herausgekommen ist es in Bern jedoch anders: Die Buchen-Bestellmenge wurde auf 36000 Stück reduziert und bestellt wurde teilweise im Ausland. Noch schlimmer blitzte Schweizer Eiche ab: Die SBB lassen die ganzen Eichen von ennet der Grenze kommen.
 
Das ist mehr als unschön. Man sollte von der öffentlichen Hand erwarten können, dass die Rechte weiss, was die Linke tut. Umso mehr, als Wald und Schienennetz im selben Departement des Bundes betreut werden. Wer Laubholz forstdienstlich fördert, muss auch beim Konsum Zeichen setzen!
 
Christoph Starck, Direktor Lignum, Holzwirtschaft Schweiz