Schweizer Forscher weisen Schädlichkeit von HBCD nach

Schweizer Forscher weisen Schädlichkeit von HBCD nach

Gefäss: 
Im Mai hat die UN-Chemikalienkonferenz das Flammschutzmittel HBCD verboten. Kommendes Jahr tritt das Verbot in Kraft. Dazu beigetragen haben auch Untersuchungen von Forschern der Empa; der Eawag und der ETH. Sie konnten etwa nachweisen, dass sich HBCD, das mehrheitlich für Dämmplatten verwendet wird, bereits während der Verarbeitung in möglicherweise giftige Folgeprodukte umwandelt.
 
Seit den 80er-Jahren wird das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) als Flammschutz bei Isolationsmaterialien, Betonzusatzstoffen oder für Textilien eingesetzt. Jährlich werden weltweit über 20‘000 Tonnen HBCD produziert, der grösste Teil wird für Polystyroldämmplatten verwendet. Laut Empa kommt auf einen Kubikmeter Polystyrol bis zu ein Kilogramm HBCD. So schlummern laut den Empa-Wissenschaftlern auch in der Schweiz „beachtliche Mengen“ davon in den Häusern.
 
Dass HBCD als Umweltgift Fische und Säugetiere schädigt – dieser Verdacht besteht schon länger. Denn HBCD lagert sich auch in der Umwelt ab und baut sich dermassen langsam ab, dass über grosse Strecken transportiert werden kann: Heute kann es sogar in der Arktis nachgewiesen werden.
 
Aufgabe der Experten war es, für die UN-Chemikalienkonferenz festzustellen, ob HBCD die in der Stockholm-Konvention definierten Kriterien für sogenannte persistente organische Schadstoffe (POP) erfüllen. Das heisst, neben den exakten chemischen Strukturen musste etwa die Abbaubarkeit oder die Art und Weise wie sich HBCD in einem Organismus ablagert wissenschaftlich abgeklärt werden: Zunächst deckten die Forscher der Empa und der ETH Zürich auf, dass technisches HBCD ein Gemisch aus mindestens acht verschiedenen, sogenannten Stereoisomeren ist. Stereoisomere sind Substanzen, die zwar die gleiche chemische Zusammensetzung aufweisen, sich jedoch durch die räumliche Anordnung ihre Atome unterscheiden. Norbert Heeb von der Empa und seine Kollegen folgerten bereits früh, dass sich einzelne Stereoisomere nicht nur in ihrer Gestalt, sondern auch in ihrem Giftgrad und ihrem Umweltverhalten unterscheiden könnten. Inzwischen wurde dies auch von anderen Forschungsgruppen bestätigt. Des zeigten die Empa-Arbeiten, dass sich HBCD bereits während der Verarbeitung der Materialien in bisher unbekannte und möglicherweise ebenfalls giftige Folgeprodukte umwandeln.

HBCD in Schweizer Gewässern

Überdies konnten die Empa-Wissenschaftler auch zeigen, dass HBCD auch in Schweizer Gewässer und somit in Fische und Sedimente gelangten. Weil flammgeschützte Textilien, Teppiche, Plastik und elektronische Geräte vor allem in Innenräumen eingesetzt werden taucht HBCD auch im Hausstaub auf. HBCD kann der Mensch aber auch nicht nur in Innenräumen aufnehmen, sondern auch dann, wenn er fettreiche tierische Nahrungsmittel isst. Und beim Zuschneiden von Polystyrolplatten mit Heizdrähten wird HBCD freisetzt, die an winzige Plastikpartikel gebunden sind und eingeatmet werden können. „Einmal mehr müssen wir nach besseren Alternativen suchen“, sagt Norbert Heeb. „Und die vielen Gebäude, die mit HBCD-haltigen Polystyrolen isoliert wurden, sind zu einer Altlast geworden, die uns in Zukunft noch hohe Entsorgungskosten bescheren dürften.“  (mai/mgt)