Schweizer Baugewerbe erstaunlich krisenresistent

Schweizer Baugewerbe erstaunlich krisenresistent

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Die Umsätze der Schweizer Bauwirtschaft legten im dritten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um 6,1 Prozent zu. Allerdings kündigen die stark rückläufigen Aufträge eine deutliche Abkühlung an.
 
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Bauarbeiten an der Letzigrabenbrücke in Zürich, im Juni dieses Jahres.
 
Die Umsätze des Bauhauptgewerbes erreichten im dritten Quartal rekordhohe 5,4 Milliarden Franken, wie in einer Mitteilung des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) zu lesen ist. Für die Zunahme waren sowohl der Tiefbau (+8,9%) als auch der Hochbau (+3,5%) verantwortlich. Der Auftragsbestand belief sich Ende September auf 11,6 Milliarden Franken, 5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Wohnungsbau unterstützt

Schub gab dem Baugewerbe der Wohnungsbau. Er legte um 7 Prozent zu. Auch die Auftragsbestände notierten hier Ende September 5,8 Prozent über Vorjahresstand. Erklären lässt sich dies damit, dass die für die Wohnbaunachfrage wesentlichen Faktoren wie Einwanderung, Arbeitslosigkeit und Konsumentenstimmung erst mit Verzögerung auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung reagieren. Die Baumeister erwarten die Talsohle im Wohnungsbau 2010. Der Wirtschaftsbau schwächte im dritten Quartal dagegen deutlich ab. Die Aufträge gingen um 11,1 Prozent zurück und eine weitere Abflachung ist gemäss SBV absehbar.

Ein Fünftel des Volumens im Kanton Zürich

In der Bautätigkeit zeigten die Regionen weiterhin deutliche Unterschiede: So gehörten die Kantone Zürich, Luzern und Schaffhausen gehörten beim Wohnungsbau zu den Gewinnern, Bern und Tessin hingegen zu den Verlierern.
 
Besonders hoch war das Bauvolumen im Kanton Zürich mit einem Wachstum von 11,1 Prozent. Dafür sind Hochbauprojekte wie etwa der Prime Tower und die Europaallee sowie ein Polster an öffentlichen Infrastrukturprojekten verantwortlich. Zürich deckt damit ein Fünftel des gesamtschweizerischen Bauvolumens ab.

Weniger öffentliche Aufträge

Insgesamt schätzt der SBV das Baujahr 2009 als gut ein. Die kalte Dusche kündige sich aber bereits an, heisst es beim SBV. Gemäss der SBV-Statistik gingen die Aufträge um 13,2 Prozent zurück. Damit ist Mitte 2010 eine Abschwächung zu erwarten. Die gegenwärtig hohe Produktion gründet laut SBV auf einer Handvoll grosser Strassen- und Schienenprojekte.
 
Die öffentlichen Aufträge gingen im Quartal aber um fast 27 Prozent zurück. Kürzungen im Infrastrukturbau stehen zur Diskussion. Der SBV befürchtet, dass der Nachfrageeinbruch der öffentlichen Hand dadurch mit demjenigen auf privater Seite zusammenfallen könnte. Eine "Stop-and-Go-Politik" der öffentlichen Hand wäre schädlich, warnt der Verband.

Anzahl Vollzeitbeschäftigter nahm leicht ab

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten auf dem Bau sank per Ende September um 0,2 Prozent auf 83'400. Die Beschäftigung verliefe im Hoch- und Tiefbau gegenläufig, schreibt der SBV gestützt auf die Arbeitslosenzahlen vom Oktober. Während im Hochbau die Arbeitslosenrate mit 5 Prozent über dem gesamtscheizerischen Schnitt lag, betrug sie im Tiefbau 2,9 Prozent. (sda)