Schweizer AKW verzögern zeitgemässe Strahlenmessung

Schweizer AKW verzögern zeitgemässe Strahlenmessung

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Wie "Bund" und "Tagesspiegel" heute übereinstimmend berichten, lehnen die Atomkraftwerk-Betreiber der Schweiz die Übernahme von Kosten für ein neues Frühwarnsystem für erhöhte Radioaktivität in Luft und Wasser ab.

Bereits nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im Jahr 2011 waren im BAG Vorbereitungen für die Installation eines neuen Messsystems getroffen worden. Der Bundesrat beschloss dann Mitte Mai 2013 den Aufbau eines neuen automatischen Messnetzes für die Überwachung der Luft und neu auch des Wassers. Das bestehende System zur Überwachung der Luft war nach dem Unglück in Tschernobyl 1986 installiert worden. Sybille Estier, Leiterin der Sektion Umweltradioaktivität im BAG, hält es demnach für völlig veraltet. Für die Überwachung der Radioaktivität im Wasser sei das BAG auf Laboranalysen angewiesen, die nur einmal monatlich erhoben würden.

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AKW Mühleberg
 
Im Fall einer Katastrophe in einem schweizerischen AKW würde die Alarmierung insbesondere für die Trinkwasserversorgung im Raum Biel und Basel möglicherweise zu spät erfolgen. Das neue Messnetz mit dem Namen Uranet soll laut BAG etwa 6,5 Millionen Franken kosten. Darin inbegriffen sind die Anschaffungskosten sowie der Betrieb während 15 Jahren. Den AKW würden gemäss dem Verursacherprinzip 80 Prozent davon oder rund 5,2 Millionen Franken belastet. Dies, weil vier Fünftel der Messstationen in ihrer Nähe liegen, wie Estier erläuterte.

Ursprünglich sollten bereits in diesem Jahr die ersten Sonden zur Überwachung der Radioaktivität in der Aare und im Rhein installiert werden, bestätigte Estier. Die vier AKW-Betreibergesellschaften reichten aber Anfang Jahr beim Bundesverwaltungsgericht einen Rekurs gegen die entsprechende Verfügung des BAG ein. "Wir wehren uns nicht gegen Radioaktivitätsüberwachungen", sagte Antonio Sommavilla, Sprecher Antonio der Bernische Kraftwerke AG (BKW) auf Anfrage der Agentur sda. "Unsere Beschwerde richtet sich gegen die Überwälzung der Kosten auf die Betreiber. Hier sind diverse Fragen zu den gesetzlichen Grundlagen offen." Sowohl die Abluft wie die Abwasser in den Werken werden überwacht und die Daten den Behörden freiwillig zur Verfügung gestellt, so der BKW-Sprecher.

Das BKW-Kraftwerk Mühleberg im Kanton Bern, das 1972 seinen Betrieb aufnahm, ist das drittälteste AKW der Schweiz. Älter sind nur noch Beznau I und II im Kanton Aargau. Die Risse im Kernmantel des Mühleberger Siedewasserreaktors sind seit 1990 bekannt und betragen bis zu 90 Prozent der Wandstärke. Vier im Jahr 1996 provisorisch angebrachte Zuganker wurden 2006 in einem TÜV-Gutachten als unzureichend bewertet. Ausserdem besteht ein internes und externes Überflutungsrisiko, was schlimmstenfalls zur Kernschmelze führen könnte. Die BKW will Mühleberg erst 2019 vom Netz nehmen, während eine Bürgerinitiative sich für die sofortige Abschaltung einsetzt. Regierung und Grosser Rat raten zur Ablehnung der Initiative. Am 18. Mai 2014 entscheidet das Stimmvolk. (tw)