Schweiz soll auch auf Erdwärme setzen

Schweiz soll auch auf Erdwärme setzen

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Geothermie sorgte in letzter Zeit immer wieder für negative Schlagzeilen. Dennoch kommen die Autoren der Geothermie-Studie des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung TA Swiss zum Schluss, dass die Schweiz weiterhin Erfahrungen mit Geothermie sammeln soll. Sie erachten diese Art der Stromproduktion als umweltfreundlich und preislich konkurrenzfähig.

Nachdem die Bohrungen die Erde zum Beben gebracht hatten, stoppte die Stadt Gallen ihr Geothermie-Projekt. Und in Basel wurde das erste Vorhaben in diesem Bereich ebenfalls abgebrochen. Zudem muss das Elektrizitätswerk Thurgau über die Bücher was sein geplantes Geothermievorhaben betrifft, weil dabei dieselbe Störungszone hätte angebohrt werden sollen, die auch die Stadt St. Gallen für ihr Projekt ausersehen hatte.

Der Grund für die gescheiterten oder das drohende Scheitern beim Ostschweizer Projekt dürfte vor allem darin liegen, dass es verhältnissmässig wenig praktische Erfahrungen mit den zur Förderung der Geothermie verwendeten petrothermalen Anlagen gibt und dass die Beschaffenheit des Untergrunds ein noch immer weitgehend unbekanntes Terrain ist.

Dennoch sind die Autoren der Geothermie-Studie des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung TA Swiss, an der Wissenschaftler des Paul-Scherrer-Instituts, der ETH Zürich, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW und des Instituts Dialogik mitarbeiteten, der

der Ansicht, dass die Schweiz die Geothermie nicht zu schnell abschreiben sollte. Die Ressourcen von Erdwärme seien gigantisch, sagte Gunter Siddiqi vom Bundesamt für Energie (BFE) anlässlich der Präsentation der Studie. Man müsse aber noch lernen, wie man an die Wärme in der Tiefe gelange. - Die in St. Gallen und Basel verursachten Erdstösse erachtet Stefan Wiemer, Direktor des Schweizerischen Erdbebendiensts, als „notwendiges Übel“. Wichtig sei vor allem, diese Erdbeben zu kontrollieren

Der Untergrund, das unbekannte Terrain

So wird denn in der Studie wird denn auch empfohlen, die Erforschung des Untergrunds voranzutreiben sowie weiterhin Pilotprojekte durchzuführen, damit Erfahrungen und für Bau und Betrieb geothermischer Anlagen gesammelt werden können. Weil jeder Kanton dieses Thema auf seine Weise geregelt hat, raten die Studienautoren dazu, die Bewilligungsverfahren zu harmonisieren und zu koordinieren. Zudem schlagen sie vor, Konzessionen zur Exploration und Nutzung von Geothermie mit der Auflage zu verbinden, dass die von den Konzessionären erhobenen geologischen Daten öffentlich zugänglich gemacht werden müssen.

35 oder 14 Rappen pro Kilowattstunde

Wie Studienautor Stefan Hirschberg vom Paul Scherrer Institut erklärt, kommen angesichts der hiesigen geologischen Verhältnisse in erster Linie Petrothermale Kraftwerke in Frage, bei welchem heisses Gestein das induzierte Wasser aufwärmt. Dieses wird dann wieder hinauf gepumpt. Die Technologie verursache sehr wenig Treibhausgas CO2, so  Hirschberg. In Deutschland sind bereits zwei geothermische Grossanlagen in Betrieb.

Die Kosten für die Stromerzeugung schätzt die Studie im Durchschnitt auf 35 Rappen pro Kilowattstunde. Wird nicht nur Strom produziert, sondern auch die Restwärme verkauft - etwa zum Heizen – rechnen die Studienautoren mit einem Preis von 14 Rappen pro Kilowattstunde.

Damit wäre die Technologie wettbewerbsfähig mit Sonnen- oder Windenergie. Im Gegensatz zu diesen Energiequellen würde der Strom regelmässig erzeugt, was ein grosser Vorteil sei. "Für die Energiestrategie 2050 ist die Versorgungssicherheit ein zentraler Pfeiler", so Gunter Siddiqi. (mai/mgt/sda)