Schweden erhält eine Spallationsquelle

Schweden erhält eine Spallationsquelle

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Teaserbild-Quelle: zvg
Die schwedische Universitätsstadt Lund soll zu einem Mekka der Neutronenforschung werden: Hier ist mit der Europäischen Spallationsquelle (ESS) die weltweit modernste ihrer Art geplant, inklusive eines Campus mit Büros, Labors und Wohnmöglichkeiten für die Wissenschaftler, die hier temporär an ihren Forschungsprojekten arbeiten.
 
 
 
Die Anlage umfasst rund 100 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Insgesamt beteiligen sich an dem 1,5 Milliarden Euro schweren Vorhaben siebzehn europäische Länder, darunter auch die Schweiz. Was die Umsetzung des Megaprojekts betrifft, ist der Zeitplan relativ anspruchsvoll: In diesen Tagen wurde des Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs gekürt, gewonnen hat der Vorschlag der dänischen Henning Larsen Architects. Noch dieses Jahr sollen die Bauarbeiten starten, 2019 soll es die ersten Neutronen produzieren und 2025 voll betriebsbereit sein.

Das Spallationszentrum und der Campus sind als eigene kleine Welt konzipiert. Für ihre Wissenschaftsstadt liessen sich die Architekten von der sogenannten Wolfram-Scheibe inspirieren, einem der wichtigsten Elemente bei der Kernzersplitterung. Dies betrifft vor allem das zylinderförmige Hauptgebäude, das aus der Vogelperspektive an eine leuchtende Scheibe erinnert. Daneben ist die ESS auch durch viel Grün und Natur geprägt: Sie wird so angelegt, dass sich das Regenwasser in etwas tieferliegenden Gebieten sammelt und damit Feuchtbiotope entstehen können. Diese bieten nicht nur seltener Flora und Fauna ein Zuhause, sondern sorgen auch für mehr Sicherheit, in dem sie die Grenze zwischen ESS und Campus bilden.  (mai)
 

Was kann in der Spallationsquelle untersucht werden?


Die Spallationsquelle ist eine Art Supermikroskop. Sie soll Wissenschaftlern neuartige Einblicke in die innere Struktur von Stoffen ermöglichen. Zudem sollen Forscher mehr über die Eigenschaften von Stoffen erfahren und die Bewegung der Teilchen in den Materialien erforschen können. Dank Neutronen lassen sich einzigartige Einblicke in die Stoffe gewinnen, die mit anderen Untersuchungsmethoden – zum Beispiel mit dem Synchrotronlicht – nicht zu bekommen sind. 

Die ESS liefert besonders lange Neutronenpulse, mit denen Steigerungen der Neutronenintensitäten erzielt werden können, die den Experimenten zugutekommen werden. Bildlich gesprochen: Haben Forscher bisher im Schein einer Kerze ins Innere von Stoffen geblickt, so werden sie an der ESS Neutronen zur Verfügung haben, die man mit dem hellen Licht eines Scheinwerfers vergleichen könnte. Das ermöglicht Forschern, komplexen Fragen unter anderem in der Physik, der Biologie, der Chemie und der Medizin nachzugehen. (mgt)