Schutz vor Erdbeben in der Schweiz

Schutz vor Erdbeben in der Schweiz

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Teaserbild-Quelle: Erdbeben in Basel / Karl Jauslin
Laut dem Bundesamt für Umwelt sind zwischen 85 und 90 Prozent aller Gebäude in der Schweiz kaum bis gar nicht gegen Erdbeben gesichert. Ein entsprechendes Massnahmenprogramm , das seit 2001 läuft, soll dies ändern. Dieser Tage wurden die Schwerpunkt für die Jahre 2013 bis 2016 vorgestellt.
 
 
Erdbeben in Basel / Karl Jauslin
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Erdbeben in Basel / Karl Jauslin
1356 wurde Basel von einem Erdbeben heimgesucht.
 
Die Gefahr von Erdbeben besteht überall in der Schweiz. Nach internationalen Massstäben wird die Erdbebengefährdung als "mittel" eingestuft. Starke Erdbeben könnten auftreten, jedoch seltener als in hoch gefährdeten Gebieten wie z.B. Italien. Schadenbeben sind überall in unserem Land möglich. Regional ist die Gefährdung im Wallis, in der Region Basel und in den Alpen etwas grösser als im Mittelland oder im Tessin. Dennoch sind laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) zwischen 85 und 90 Prozent aller Gebäude und Anlagen gar nicht oder ungenügend gegen Erdbeben gesichert. Das Potenzial für starke Erdbeben und die relativ hohe Verletzbarkeit der bestehenden Bauten führen dazu, dass im Ereignisfall in der Schweiz erhebliche Schäden zu erwarten sind, vor allem in den Ballungszentren. Das Erdbebenrisiko ist in seiner Grösse vergleichbar mit dem Hochwasserrisiko. Erdbebenschadenereignisse sind zwar seltener, das Schadenausmass ist jedoch bedeutend grösser.
 
Die Massnahmen zur Erdbeben-Vorsorge
Seit 2001 läuft deshalb ein entsprechendes Massnahmenprogramm. Für die Jahre 2013 bis 2016 hat der Bundesrat das weitere Vorgehen beschlossen und dazu folgende Schwerpunkte gesetzt:
 
  • Erneuerung und Erweiterung des Netzes für starke Beben mit 70 neuen Messstationen.
  • Aktualisierte Bestimmung der Erdbebenrisiken und deren geografische Verteilung.
  • Optimierung von Aufgaben und Rollenteilung auf Bundesebene.
  • Vervollständigung des Inventars der Erdbebensicherheit bei Bundesbauten.
  • Planung der Massnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit.
  • Vervollständigung der technischen Grundlagen und Vorgaben im Bereich Infrastrukturen.
  • Optimierung der Prozesse und Strukturen der Ereignisbewältigung auf Bundesstufe.
  • Weiterführung der proaktiven Förderung der Erdbebenvorsorge. 
  • Vervollständigung der technischen Grundlagen und Vorgaben bezüglich Infrastrukturen.

Aus- und Weiterbildung zum Thema Erdbeben mangelhaft
Im Bericht zu den geplanten Massnahmen in diesem und der kommenden Jahre stellt das BAFU zudem fest, dass die Aus- und Weiterbildung in Sachen "Erdbeben" lückenhaft ist. Es bemängelt, dass die Vorlesungen an der ETH Zürich und der EPF Lausanne für Bauingenieure zwar umfangreich aber fakultativ sind. In gewissen Fachhochschulen ist die Ausbildung im Erdbebeningenieurwesen auf Stufe Bachelor zwar systematischer geworden, aber minimal im Umfang.

  

Für Bauingenieure werden Aus- und Weiterbildungen zurzeit von den Fachhochschulen Fribourg (seit 2006) und Horw (LU) (seit 2009) angeboten. Das Angebot umfasst drei Module mit insgesamt 12 Ausbildungstagen und einer Diplomarbeit. Die Weiterbildung wird mit ca. 20 Teilnehmern pro Jahr in Fribourg und 25 in Horw gut besucht. 
 
Für Architekten ist in der Grundausbildung das Thema Erdbeben sowohl bei Hochschulen als auch bei Fachhochschulen kaum präsent.  Das stellt laut BAFU eine sehr grosse Lücke dar, da Architekten bei Gebäudeprojekten eine zentrale Rolle spielen und dafür verantwortlich sind, dass die Erdbebensicherheit im Gebäudeentwurf und in der Nutzungsvereinbarung berücksichtigt wird. Spezifische Weiterbildungsangebote fehlen aber weitgehend laut BAFU. Darum engagiert sich der Bund mit Partnerorgansiationen - dem SIA und der Schweizerischen Gesellschaft Erdbebeningenieurwesen und Baudynamik - für eine systematischen Grund- und Weiterbildung an den Hochschulen. 
 
Zu wenig Sensibilität?
Am billigsten sind Massnahmen gegen die Folgen von Erdbeben bei Neubauten von Gebäuden und Infrastrukturen. Die Zusatzkosten sind meist vernachlässigbar. Angesichts des Bauboomes in unserem Land würde es nicht schaden, dem Thema Erdbebensicherheit bei Neubauten mehr Beachtung zu schenken - und das ohne gravierende Kostenfolgen. 
 
Zu wenig Bauspezialisten und Experten zum Thema Erdbeben
Aus den Unterlagen des Bundes geht hervor, dass es in der Schweiz nur wenige Spezialisten gibt, die die Erdbeben-Sicherheit von Gebäuden und Infrastrukturen beurteilen können. Hier besteht dringend Handlungs- bzw. Ausbildungsbedarf. Im Falle eines Erdbeben-Ereignisses dürften die davon betroffenen Organisationen schnell überfordert sein.  (mai)