Schlupps Baudenkmal wird saniert

Schlupps Baudenkmal wird saniert

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Der Bieler Regierungsstatthalter hat die Baubewilligung für die umstrittene Sanierung des Gymnasiums Strandboden in Biel erteilt. Eine Einsprache des Heimatschutzes wurde abgewiesen. – Bei dem Gebäudekomplex handelt es sich um ein Architekturdenkmal: Es wurde zwischen 1975 und 1982 nach Plänen von Max Schlupp erbaut.
 
Das Sanierungsprojekt sieht unter anderem vor, die bestehenden Gebäudehüllen zu ersetzen. Als besonders problematisch gilt die Klimatisierung: Im Winter friere man, im Sommer sei es kaum auszuhalten, wurde verschiedentlich betont. Zudem ist der Unterhalt des Gymnasiums teuer. Laut Recherchen der „Bieler Zeitung“ belaufen sich die Ausgaben für Energie und Unterhalt auf einer Million Franken pro Jahr, das macht 5500 Franken pro Tag. Seit seiner Fertigstellung vor 40 Jahren habe der Bau nie richtig funktioniert, war damals in der Zeitung zu lesen. Einer der Gründe für diesen Umstand mag der schwierige Baugrund sein. – Als der Kanton 2005 das Gebäude übernahm, war klar, dass in Sachen Sanierung dringender Handlungsbedarf besteht. Er rechnet mit auf 73,5 Millionen Franken für die Instandsetzung und des Komplexes und für einen zusätzlichen Nebau.
 
Seither sorgt das Sanierungs- und Bauvorhaben für heisse Köpfe. - Wie Statthalter Werner Könitzer erklärte, erwies sich die Frage bei dier Einsprache als strittig, inwiefern die Gebäude der Schulanlage am Bielersee ein Baudenkmal sei. Das Objekt sei aber nur im Anhang des Bauinventars der Stadt Biel aufgeführt und weise keine Bewertung auf. Somit kam der Statthalter zum Schluss, dass es keine rechtliche Schutzwirkung für die Gebäude gibt. Zudem erwähnte die Denkmalpflege des Kantons Bern in ihrem Fachbericht, dass die äussere Gesamterscheinung der Anlage nach Abschluss der Bauarbeiten ziemlich unverändert sein dürfte. Folglich habe er die geplanten Sanierungsarbeiten bewilligen können, schreibt Könitzer. Diese seien in Bezug auf Energieeffizienz, Sicherheit und Schulbetrieb dringend nötig.
 
Die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) begrüsste in einer Mitteilung den Entscheid des Statthalters. Das zuständige Amt für Grundstücke und Gebäude hoffe nun, das Projekt möglichst schnell realisieren zu können. Denn weder ein Planungsstopp noch ein teurer Neubau würden dazu beitragen, für Schüler und Lehrer möglichst rasch wieder gute Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Diskussionen noch nicht zu Ende

Der Entscheid des Statthalters kann mittels Baubeschwerde angefochten werden. Zu heftigen Debatten dürfte das Projekt überdies im bernischen Kantonsparlament führen, wo verschiedene Vorstösse zu diesem Thema hängig sind. „Daran ändert der Entscheid des Statthalters nichts", sagte etwa BDP-Grossrat Heinz Siegenthaler, der eine Motion für einen Planungsstopp eingereicht hat, auf Anfrage. Er selbst halte die Sanierung für falsch und möchte, dass für die Schulanlage ein neuer Standort geprüft werde. Wie Siegenthaler will auch GLP-Grossrätin Sabine Kronenberg mit ihrem Vorstoss erreichen, dass das Kantonsparlament eine Debatte über das Gymnasium Strandboden führt. Sie bemängelt auf Anfrage vor allem, dass bisher nicht lösungsorientiert gearbeitet worden sei.
 
Die bernische Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) hat den Informationsbedarf erkannt, wie sie auf Anfrage sagte. Ihre Direktion will deshalb Anfang Mai alle Betroffenen zu einer „Informationsplattform“ einladen. „Ausserdem muss man vielen Grossräten das Projekt vorstellen, weil sie im November 2007 noch nicht im Parlament sassen, als der Projektierungskredit bewilligt wurde“, sagte die Regierungsrätin. In Bezug auf die Alternative eines Neubaus verwies Egger-Jenzer auf die Vorgabe, welche ihre Direktion einhalte müsse. Demnach darf die Sanierung nicht mehr kosten als zwei Drittel des Betrags für einen Neubau.
 
Sollte der Entscheid des Statthalters nicht weitergezogen werden und der Grosse Rat keinen Planungsstopp erlassen, könnten laut BVE die Bauarbeiten Anfang 2013 beginnen. (mai/sda)
 
 
Lesen Sie dazu auch "Baudenkmal seit Jahrzehnten sanierungsbedürftig" vom 31.3.2010