Schlaue Böden schlagen Alarm

Schlaue Böden schlagen Alarm

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Ein Boden der erkennt ob ein Einbrecher unterwegs ist oder ob jemand gestürzt ist und Polizei oder Notfalldienst alarmiert - dies haben Forscher des deutschen Frauenhofer Instituts entwickelt.

Ferienzeit ist Einbruchsaison. Verwaiste Wohnungen mit schlecht gesicherten Türen und Fenstern sind geradezu eine Aufforderung für Einbrecher. Ein berührungsempfindlicher Boden könnte Abhilfe schaffen: Er ist mit Sensoren versehen und schlägt Alarm, wenn jemand den Fuss auf ihn setzt. Entwickelt haben den schlauen Boden Wissenschaftler vom Deutschen Fraunhofer Institut. "Mitte kommenden Jahres wollen wir ihn in Kooperation mit einem Industrieunternehmen als Produkt auf den Markt bringen", sagt Reiner Wichert vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt, der zusammen mit seinem Team den smarten Bodenbelag entwickelt hat.

Basis des berührungsempfindlichen Bodens oder des sogenannten Capfloor bildet ein Gitter aus einfachen Drähten, welches unter dem Parkett oder Teppich montiert wird. Die Drähte werden von einem sehr schwachen elektrischen Feld umgeben. Bewegt nun jemand seinen Fuss hindurch, verändert sich in diesem Bereich das elektrische Feld. Für die Gesundheit sei dies risikolos, schreibt das Fraunhofer Institut. Während etwa Touchpads in Laptops mit Spannungen von bis zu 20 Volt arbeiteten, nutze der Bodenbelag lediglich etwa eineinhalb Volt.

Allerdings eignet sich die Entwicklung des Fraunhofer auch für andere Anwendungen. "Zunächst wollten wir erkennen, ob ein Mensch gestürzt ist", erklärt Wichert. "Doch uns wurde schnell klar, dass ein solches System mehr kann." So lässt sich die Technologie einfach im bestehenden Schaltschrank mit der Gebäudetechnik verbinden, etwa mit der Licht- oder Heizungssteuerung. Betritt eine Person einen Raum, geht das Licht von alleine an. Verlässt sie das Zimmer, wird das Licht gelöscht. Hält sich länger niemand im Raum auf, senkt die zudem die Raumheizung ihre Aktivität. Als weitere Funktionen sehen die Forscher Warnungen per SMS: Etwa wenn Kleinkinder nachts aus dem Bett kriechen oder wenn sich im Haus länger nichts mehr bewegt hat und der Herd dennoch läuft.

Clever und komplex

Grundlage der Erfindung der Fraunhofer-Forscher ist eine komplexe Software, welche die verschiedenen technischen Komponenten miteinander verknüpft – Schliesssystem, Lichtanlage oder elektrischen Geräte. "Erst dadurch werden all die Funktionalitäten denkbar", führt Wichert aus. Das Besondere ist laut Fraunhofer Institut, dass die im Boden integrierte Technik auf ein Minimum reduziert wurde. Bei anderen Systemen werde unter dem Boden schwer wartbare Elektronik verbaut. Bei der Fraunhofer-Kreation hingegen werden einfache Drähte verlegt. Die Sensoren verschwinden am Rande des Raums in der Fuge unter der Fussleiste und werden per Klickstecker an das Drahtgeflecht montiert. Pro Zimmer ist dann nur noch ein kleines Gerät nötig, das die Sensorsignale verarbeitet und zum zentralen Schaltschrank leitet. Und dort ist dann auch eine kleine Verarbeitungseinheit eingebaut, die alarmieren oder Hilfe rufen kann. Somit bleiben alle gesammelten Daten innerhalb des Hauses.

Hilfe für Demenzkranke

Zurzeit werden in einem Pilotprojekt über 30 Appartements und Wohngemeinschaften für Demenzkranke mit der Technologie ausgestattet. Das System erkennt, ob eine Person durch den Raum geht oder ein Haustier vorüberhuscht. Stehen die Bewohner nachts auf, um zur Toilette zu gehen, schaltet sich das Licht ein, sobald der Fuss den Boden berührt. Zu CapFloor gehört ein Notfallsystem mit verschiedenen Stufen. Bleibt eine Person länger regungslos liegen, weil sie eventuell bewusstlos ist, beginnt das Licht in der Wohnung zu blinken. Reagiert der Bewohner nicht und schaltet es nicht aus, werden nacheinander Angehörige, Nachbarn und schliesslich der Notdienst per Telefon oder SMS alarmiert. (mai/pd)