Schienen als Alternative zum Panamakanal

Schienen als Alternative zum Panamakanal

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Zurzeit stehen Kolumbien und China in Verhandlungen über den Bau eines Schienen-Konkurrenten zum Panamakanal. Allerdings sind die Strecken-Varianten noch nicht klar.
 
Einerseits ist eine kurze, 220 Kilometer lange Strecke zwischen Turbo am Golf von Uraba (Atlantik) und der Pazifikküste im Gespräch. Andererseits steht eine lange Variante, von rund 800 Kilometern zwischen Cartagena am Atlantik und Buenaventura am Pazifik, zur Debatte. Bei dieser könnten schon bestehende Strecken und Häfen genutzt und weiter ausgebaut werden.
 
Der 81,6 Kilometer lange Panamakanal ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Pazifik und dem Atlantik. Mittels Schleusen müssen die Schiffe um 26 Meter angehoben und wieder gesenkt werden um die kontinentale Wasserscheide zu überqueren. Deshalb dauert eine normale Durchfahrt 10 bis 12 Stunden. Die Kosten für eine Schiffspassage betragen heute durchschnittlich 48'000 US-Dollar.
 
Kolumbien verfügt über gewaltige Kohlevorkommen an der Atlantikküste, deren Ausstoss bis in 10 Jahren auf etwa 150 Millionen Tonnen gesteigert werden soll. China ist der grösste Kohle-Importeur der Welt. Kohle anstatt ins nähere Europa über den Panamakanal ins besser zahlende ferne Asien zu transportieren, ist teuer. Das ist ein Grund für das Interesse Chinas an einer Milliarden-Investition in eine Umfahrung des Panamakanals. China mit seinem Riesenbedarf könnte seine Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten, etwa Australien, verringern.
 
Shuttle-Züge, mit Kohle die ständig unterwegs von der Atlantikküste Kolumbiens direkt an den Pazifik unterwegs wären, sorgten nach Ansicht chinesischer Experten für mehr Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit. Bedacht werden müsste bei dieser Rechnung allerdings, dass der Panamakanal zurzeit mit einem Milliarden-Aufwand weiter ausgebaut und für grössere Schiffe verbreitert wird. Bis in vier Jahren soll eine Kapazitätssteigerung von 300 auf 600 Millionen Tonnen Fracht erzielt werden. Ungeachtet dessen, wie das Kanal-Umfahrungsprojekt ausgeht, zeigt sich hier, dass China als starke Wirtschaftsmacht auftritt, die ihren Energie- und Rohstoffhunger in der ganzen Welt mit überlegten Schachzügen zu sichern sucht. (mai)