Sawiris trat eine Lawine los

Sawiris trat eine Lawine los

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Teaserbild-Quelle: Bild:Andermatt Swiss Alps
Manche Skigebiete der Schweiz kämpfen ums Überleben. Gemäss dem offiziellen Leitfaden „Ansiedlung von Feriendörfern und Hotels“ können Investitionen in Bergbahnen den Alpentourismus ankurbeln. Doch vom Papier in die Praxis ist ein weiter Weg. Das zeigt der geplante Ausbau des Skigbiets Andermatt-Sedrun. Kaum wurde die Diskussion gestartet, so ist die Situation bereits zerfahren. Denn alle Beteiligten haben eine andere Meinung.
 
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Der geplante Ausbau des Skigebiets Andermatt-Sedrun provozierte einen Konflikt.
 
Das Tempo, mit welchem Samih Sawiris das Andermatter Luxusresort Swiss Alps durchziehen will, weckt Unbehagen. Bis 2014 soll der Ferienort dank des neuen Resorts 1000 neue Betten erhalten. Um seinen künftigen Gästen im Winter optimale Bedingungen zu bieten, hat der ägyptische Investor und Milliardär bereits im Februar durchblicken lassen, dass er den Ausbau der Andermatt-Gotthard-Sportbahnen vorantreiben will (siehe «baublatt» 7/11). In einer Medienmitteilung nennt Swiss Alps AG die Investitionssumme von 140 Millionen Franken für 18 Skilifte und Gondelbahnen, mit denen die Skigebiete Gemsstock, Nätschen, Oberalp, Hospental und Sedrun zusammengeschlossen und attraktiver gemacht werden sollen. Die Swiss Alps AG, eine Tochter der Orascom Development Holding, spannt dazu mit der schwedischen Skigebietbetreiberin SkiStar zusammen. Eine entsprechende Absichterklärung ist unterzeichnet; bis am 26. Mai hat die Bevölkerung zudem Gelegenheit, zu den vorgesehenen Richtplananpassungen Stellung zu nehmen.

Als erste reagierten die Umweltverbände. Sie kritisierten unter anderem die geplante Totalbeschneiung der neuen Skipisten, die Erschliessung von neuen Skigebieten und den Bau eines neuen Restaurants am unberührten Luternsee zwischen Nätschen und Oberalp.

Goldgräberstimmung?

In einem Interview mit der Sonntagszeitung meldete sich wenige Tage später der ehemalige FDP-Parteipräsident und gebürtige Urner Franz Steinegger zu Wort. Als Verwaltungsratspräsident der Andermatt-Gotthard-Sportbahnen äussert er sich überraschend defensiv zum Ausbauprojekt: «Ich bin dagegen, das Skigebiet auf Vorrat auszubauen. Wir möchten etappenweise analog zur Nachfrage investieren.» Und: «Es herrscht momentan Goldgräberstimmung in Uri, deshalb sind die Erwartungen an die Investoren überrissen.»

Es herrsche nicht eine Goldgräberstimmung, sondern eine Aufbruchsstimmung, versucht derweil Heidi Z’graggen die zerfahrene Situation zu entflechten. «Vor sechs Jahren hatten wir im Kanton Uri eine ganz schwierige Situation, als viele Bundesarbeitsplätze abwanderten», stellt sie in der «Neuen Luzerner Zeitung» klar. Davon stark betroffen war unter anderem Andermatt. Weiter weist Z’graggen darauf hin, dass auch die Bündner Regierung ein wirtschaftliches Interesse an einem Ausbau des Skigebietes habe.

«Konkurrenz heisst Chance»

Gestern meldete sich Samih Sawiris persönlich zu Wort. «Bisher wurde zwar immer wieder vom grossen Potenzial der Skiregion gesprochen. Nur: Das genügt nicht», drängt er in einem Interview der «Neuen Luzerner Zeitung» auf die geplanten Investitionen. Gegenüber Steineggers Vorstellung von gestaffelten Investitionen reagiert er konstruktiv: «Wir sind da völlig gleicher Meinung. Wer dieses Alles-auf-einmal-Szenario in die Welt gesetzt hat, weiss ich nicht.»

Eine Antwort darauf kann ihm auch Bruno Arnold, Chefredaktor der «Neuen Urner Zeitung» nicht geben. In einem Kommentar verweist er hingegen auf einen weiteren Konflikt. «Die Angst der Einheimischen vor der Konkurrenz aus dem hohen Norden ist verständlich. Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber», spricht er den lokalen Gewerbetreibenden ins Gewissen.» Denn diese fürchten Skistar als omnipotenten Rivalen. Dank dem Projekt könne auf neue Arbeitsplätze gehofft werden, führt Arnold demgegenüber aus. Zudem: «Konkurrenz heisst Chance. Es gilt, innovative Ideen zu entwickeln und Nischen zu besetzen.»   (ur)         
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