Sauberste Kläranlage steht in Herisau

Sauberste Kläranlage steht in Herisau

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Herisau erhält die schweizweit sauberste Kläranlage: Am Samstag geht hier die erste Abwasserreinigungsstufe mit Pulver-Aktivkohle in Betrieb. Damit können auch kleinste Schadstoffe wie Medikamentenrückstände aus dem Wasser gefiltert werden.

Herisau werde zur Pioniergemeinde in der Abwasserreinigung, zusammen mit Dübendorf, das auf ein anderes Verfahren setze, teilt dazu die Gemeinde mit.  Und Michael Schärer vom Bundesamt für Umwelt meint: „Hier werden nun wertvolle Erfahrungen gemacht, von denen die gesamte Schweiz profitieren kann.“ Denn Mikroverunreinigungen schwimmen zwar nur in geringen Mengen in den Gewässern.  Aber sie stellen trotzdem eine Gefahr für die Lebewesen im Wasser dar. Sie stammen unter anderem von Körperpflegeprodukten, Medikamenten, Pflanzenschutzmitteln oder chemischen Verbindungen der Textilindustrie. Auch Hormone aus der Anti-Baby-Pille gelangen übers Abwasser in Flüsse und Seen. Für Menschen sind die Konzentrationen zwar ungefährlich. Bei Fischen können diese Stoffe jedoch die Fortpflanzung beeinträchtigen oder gar zu Organschäden und Verhaltensstörungen führen.

Glatt gilt als stark belastetes Gewässer

Herisau ist nicht ohne Grund für die Pionieranlage ausgewählt worden: Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Bachwis reinigt das Abwasser von rund 34'000 Personen, bevor dieses in die Glatt fliesst. Die Glatt gilt wegen der hohen Besiedlungsdichte seit jeher als stark belastetes Gewässer. Zudem gibt es in Herisau nicht nur zwei Kantonsspitäler, viele Arzt- und Zahnarztpraxen, sondern auch mehrere Betriebe der Textilindustrie, die Schadstoffe ins Abwasser führen. So beteiligt sich die Firma AG Cilander, die grösste Textilveredlerin der Schweiz, beteiligt sich mit knapp einer Million Franken an den Kosten von 4,7 Millionen Franken.

Während der kommenden 20 Jahre sollen in der Schweiz rund 100 weitere Kläranlagen aufgerüstet werden, damit möglichst keine Kleinstverunreinigungen mehr in die Gewässer gelangen. Damit soll der Anteil von Mikroverunreinigungen soll um bis zu 70 Prozent sinken. (mai/sda)