Saubere, nützliche Minerale

Saubere, nützliche Minerale

Gefäss: 
Die Probleme von Formaldehyd-Emissionen in sind schon lange ein Thema. Zwar gibt es bereits verschiedenste Verfahren und Massnahmen zu ihrer Minderung. Aber nun haben deutsche Forscher eine Methode entwickelt, mit der sich mittels Minerale Formaldehyd-Emissionen aus Span- und Sperrholzplatten massiv reduzieren lassen.
 
Seit über 50 Jahren findet sich Formaldehyd als Bestandteil in Kunstharzen und Leimen, die für Span- und Sperrholzplatten verwendet werden. Geschätzt wird, dass etwa 85 Prozent aller Holzwerkstoffe formaldehydhaltige Kleber enthalten. Weil die Weltgesundheitsorganisation WHO Formaldehyd als krebserregend einstuft, gelten seit Jahrzehnten strenge Richtwerte für den Einsatz dieses Stoffes. Die neue, von Forschern der Fraunhofer Institute für Holzforschung in Braunschweig und für Silicatforschung in Würzburg entwickelte Methode zur Reduktion von Formaldehyd-Emissionen aus Spanplatten nennt sich „modifizierte Zeolithe“: Dabei handelt es sich um Minerale beziehungsweise Alumosilicate, die aufgrund ihrer extrem grossen inneren Oberfläche und ihrer porösen Struktur als Molekularsieb dienen und Formaldehyd besonders gut aufnehmen können.
 
Wie aus dem Bericht der Institute hervor geht, werden Zeolithe zwar bereits als Füllmaterial in Spanplatten eingesetzt. Ihr Einsatz zum Absorbieren von Schadstoffen in Holzwerkstoffe einzubringen, sei jedoch ein Novum, wie die Leiterin der Forschungsgruppe in Würzburg, Dr. Katrin Bokelmann erklärt. Sie war mit ihrem Team für die Entwicklung der mineralischen Verbindungen verantwortlich.
 
Testreihen mit verschiedensten im Handel erhältlichen und natürlich vorkommenden Materialien ergaben beste Absorptionseigenschaften mit dem synthetischen Zeolith Y, der durch die Experten nochmals modifiziert wurde. Eine Beimengung von fünf Gewichtsprozent in Probeplatten, verringerte die Formaldehyd-Emissionen um 40 Prozent. Nachfolgende Tests bestätigten dieses Resultat. Gemäss dem Projektleiter in Braunschweig, Dr. Jan Gunschera, zeigten diese Tests, dass Schadstoffe aus der Innenraumluft sogar reduziert werden können. Die speziellen Minerale statten Holzwerkstoffe so mit Raumluft reinigenden Eigenschaften aus. Die Veränderung der Rezeptur für die Spanplatten durch die Zugabe von Zeolith Y ergab zudem keine Qualitätsminderung der Holzwerkstoffe.
 
Das neue Verfahren wurde laut Pressemitteilung der Fraunhofer Institute bereits zum Patent angemeldet. Die Entwickler halten es für denkbar, dass die modifizierten Zeolithe – eingearbeitet in Möbel oder auch in Decken- und Wandverkleidungen – künftig nicht nur Formaldehyd, sondern auch andere Aldehyde in der Raumluft abbauen könnten. Zurzeit laufen Gespräche mit Partnern aus der Holzwerkstoff-Industrie. (mai/mgt)