Sanierung bringt mittalterlichen Frauenkopf ans Licht

Sanierung bringt mittalterlichen Frauenkopf ans Licht

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Teaserbild-Quelle: PD

In den letzten Monaten wurden in Zürich beim Fraumünster Wasserkanäle saniert und teils ersetzt. Die Arbeiten fanden auf archäologisch heiklem Terrain statt: Hier befand sich das mittelalterliche Kratzquartier, das man im 19. Jahrhundert abgerissen hat. Es wurden zahlreiche Funde geborgen, auch ein steinerner Frauenkopf.

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PD
Die Archäologen vermuten, dass das Gesicht des Kopfes absichltich zerstört worden war.

Der Kopf der Sandsteinstatue hatte es den Archäologen besonders angetan. Er stammt vermutlich aus der Zeit des ausgehenden 13. Jahrhunderts. Die Figur trägt ihr Haar offen unter einem Kopftuch und einer Krone, an der sich Spuren von Goldfarbe nachweisen lassen. Die Partie von Nase und Mund ist zerstört, der Rest ist aber gut erhalten und zeugt von einer hohen künstlerischen Qualität auf überregionalem Niveau. Es könnte sich um die Heiligendarstellung der gekrönten Maria handeln. Das Werk stammt möglicherweise aus der nahegelegenen Fraumünsterabtei und ist wohl während der Reformation zerstört und entsorgt worden; die Archäologen haben sie aus einer Abfallschicht vor der damaligen Stadtmauer geborgen. Auch die beschädigte Gesichtspartie könnte auf eine mutwillige Zerstörung durch die Bilderstürmer zurückgehen. In Zürich haben nur sehr wenige mittelalterliche Skulpturen aus sakralem Umfeld die Reformation überdauert. Darin liegt auch die hohe Bedeutung des Fundes. Er ist möglicherweise ein unmittelbares Zeugnis der Reformation und ihres Kampfes gegen die Verehrung von "Götzenbildern" und zugleich ein Beispiel für die hohe Qualität der mittelalterlichen Kirchenausstattungen Zürichs.

Reiche archäologische Ausbeute

Insgesamt hat das archäologische Team zwischen Fraumünster- und der Börsenstrasse gegen 150 000 Einzelfundstücke geborgen und rund 4400 Befunde wie Schichten, Mauern oder Gruben dokumentiert. Während in früheren Zeiten, vor allem wertvolle gut erhaltene Fundstücke und Kunstwerke im Vordergrund standen, interessiert sich die Archäologie seit Jahrzehnten immer mehr auch für scheinbar "unbedeutende" Gegenstände des täglichen Gebrauchs aus der Vergangenheit. Anhand solcher Funde lassen sich wirkliche Einblicke und Erkenntnisse in das Leben von damals gewinnen. In diesem Sinne zählt zu den Höhepunkten für die beteiligten Archäologen unter anderem ein Ensemble mit allerlei Fundgegenständen, die vom Alltag des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts erzählen. Darunter befinden sich Lederschuhe, Maultrommeln, Statuetten, Schlüssel, Spielwürfel, Teile eines Kettenhemdes sowie Gefäss- und Ofenkeramik.

Erste Präsentation im Landesmuseum

Das Landesmuseum Zürich zeigt bis im September 2014 eine kleine Ausstellung dieser Funde aus dem Fraumünsterquartier. Der Sandsteinkopf befindet sich nicht darunter, da seine Restaurierung noch nicht abgeschlossen ist. (mai/pd)