Russisch-orthodoxe Kirche Genf: Neues Gold für die Zwiebeln

Russisch-orthodoxe Kirche Genf: Neues Gold für die Zwiebeln

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Bald erstrahlt die russisch-orthodoxe Kirche in Genf dank Steinmetzen, Restauratoren und Vergoldern in neuem Glanz: Die Kirche, die kommendes Jahr ihren 150. Geburtstag feiert, wird vollständig restauriert. Ihre neun Zwiebeln werden mit insgesamt knapp einem Kilo Gold neu verkleidet.

1866 auf einem Gelände des Kantons Genf erbaut war die Kirche vor allem für die russischen Aristokraten bestimmt, die sich oft in der Genferseeregion aufhielten. Russisch-orthodoxe Gemeinden bildeten sich seither zwar in vielen Regionen der Schweiz. Aber Kirchen mit den charakteristischen Zwiebeltürmen gibt es nur in Zürich, Vevey und Genf. Und keine von ihnen kommt an die Pracht der neun Zwiebeln der Kirche Genfs heran. Das ungewöhnliche Gotteshaus wurde 1916 erweitert und 1966 – anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens - teilrestauriert.

Seither nagte jedoch der Zahn der Zeit an dem Gotteshaus. Unter anderem ist Wasser durch das Dach eingedrungen. Darum werden jetzt Kuppeln, Kirchenfenster sowie Fresken und Bilder im Innenraum sorgfältig restauriert, wie François Moser, Präsident der Gesellschaft der russischen Kirche in Genf, erklärt.

Trotz der Schäden wurde das Bauvorhaben wegen Zweifel an der Professionalität bis vor Bundesgericht bekämpft. Doch dieses lehnte die Rekurse im Sommer ab. Damit konnten die Arbeiten beginnen. Allerdings führte das Verfahren führte zu Verzögerungen: Die russisch-orthodoxe Kirche kann nicht wie ursprünglich vorgesehen am 27. September 2016 zu ihrem 150-jährigen Jubiläum fertig instandgesetzt werden. Doch immerhin könnte bis zur russischen Weihnacht am 7. Januar die erste Zwiebel restauriert sein.

Ein Hauch Gold

Die Restaurierung einer Zwiebelkuppel dauert laut dem mit der Sanierung der Kirche betrauten Architekt, Stephan Melshko, ungefähr zwei bis drei Monate. Dafür braucht es viel Feinarbeit:  Zunächst muss das Gold in hauchdünne Blätter geschlagen werden, was heute mit der gleichen Maschine wie bei der Restaurierung von 50 Jahren geschieht. Danach wird das Blattgold auf die Kuppeln aufgedrückt und hält ohne Leim. Für alle neun Zwiebeln brauche es weniger als ein Kilogramm Gold, erklärt François Moser. Bereits beinahe fertiggestellt ist die Sanierung der Abflussrinnen am Dach. Weil sie Rissen aufwiesen drang auch durch die Rinnen Wasser in die Kirche ein und fügte  einigen Wandbildern irreparable Schäden zu. – Derweil sind vom Dach sind erst die obersten Giebel Instand gesetzt.

Die gesamte Sanierung kostet rund fünf Millionen Franken. Davon übernehmen 30 bis 40 Prozent der Bund, der Kanton Genf und die Gemeinden. Die Stiftung der Kirche übernimmt rund 800'000 Franken. Der Rest wird von der Loterie romande und einer privaten Stiftung beigesteuert. "Das ist unser kleiner Stolz: Die Sanierung ohne Hilfe aus Russland bezahlen zu können“, sagt Moser. Damit die Zukunft längerfristig gesichert ist, soll ein Fonds zum Unterhalt eingerichtet werden. (sda/mai)