Rohstoffe aus Abbruchhäusern und Deponien

Rohstoffe aus Abbruchhäusern und Deponien

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Rohstoffkarte Wiens als Bestandteil einer nationalen Rohstoffstrategie: mineralische Rohstoffe wie Beton, Ziegel oder Mörtel im Wiener Gebäudepark. (Fritz Kleemann, TU Wien)

Anstatt Kies aus der Kiesgrube liesse sich auch schon einmal verbauter Kies verwenden. Seit kurzem arbeitet ein europäisches Expertennetzwerk an Konzepten, wie solche und andere Rohstoffe zurückgewonnen und für neue Projekte verwendet werden können.

Rohstoffkarte Wiens als Bestandteil einer nationalen Rohstoffstrategie: mineralische Rohstoffe wie Beton, Ziegel oder Mörtel im Wiener Gebäudepark. (Fritz Kleemann, TU Wien)

Ob Sand und Kies im Beton oder Gold im Computerchip – diese Mineralien sind allesamt endlich. Das, wofür man sie braucht wird irgendwann abgerissen oder landet auf dem Müll. Und während immer mehr Rohstoffe abgebaut werden, nimmt die Zahl der Deponien, Müllhalden und Abbruchbauten zu. Auf diese könnte bei der Gewinnung von Rohstoffen vermehrt zurückgegriffen werden, und nicht vor allem auf die Erde selbst, wie es heute der Fall ist.

Ein europäisches Expertennetzwerk (COST) soll nun im Rahmen des Projekts „Mining the European Antroposphere“  untersuchen, wie dies genau geschehen soll. Entscheidend dabei sei, die Informationen über diese sogenannt antropomorphen Rohstoffquellen zu sammeln  und so aufzubereiten, dass sie in Zukunft ebenso wirtschaftlich bewertet und vorausschauend beurteilt werden könnten wie Goldminen oder Erdölfelder, heisst es dazu in der Medienmitteilung der TU Wien, unter deren Leitung das Projekt steht.  Neben Österreich beteiligen sich 22 weitere europäische Länder, darunter auch die Schweiz.

„Für die natürlichen Rohstoffvorkommen gibt es ein gut etabliertes Berichtswesen“, erklärt der wissenschaftliche Projektleiter Ulrich Kral von der TU Wien. „Jeder Minenbesitzer muss abschätzen, welche Rohstoffmenge ihm noch zur Verfügung steht, und wie viel davon auf wirtschaftlich gewinnbringende Weise abgebaut werden kann.“  Ob und wenn ja wie antropomorphe Rohstoffquellen auf ähnliche Art klassifiziert und genutzt werden können, ist bisher noch nicht geklärt. Dabei wären Richtlinien wichtig, um zu beurteilen, ob es ökologisch und ökonomisch sinnvoller ist Primärrohstoffe abzubauen oder Sekundärrohstoffe aus nicht mehr benötigten Gütern und Bauten zurückzugewinnen. 

Verbaute Ressourcen, Mülledepnien und Rückstände

Im Zentrum des Projektes stehen drei Fallstudien: Dabei geht es um verbaute Ressourcen, Mülldeponien und feste Rückstände aus der Müllverbrennung. Weil es sich um völlig unterschiedliche Quellen handelt, ist diese Kombination laut Kral wissenschaftlich besonders interessant. Aus den so gewonnenen Daten und Erfahrungen wollen die Wissenschafter eine Methode zur Klassifizierung der Rohstoffe entwickeln, die den Vorgaben der Vereinten Nationen entspricht.

Wie dies dereinst in der Praxis aussehen könnte, erklärt Kral anhand von Wien. Werden Bauten abgebrochen, liess sich vieles für neue Bauten wiederverwerten. „Man kann Landkarten erstellen, aus denen ersichtlich ist, welcher Rohstoff wo in welchem Ausmass enthalten ist“, so Kral. So könne man dann zum Beispiel auf einen Blick erkennen, wo in Wien grosse Mengen Kupfer verbaut worden seine und ob damit zu rechnen sei, dass dieses Kupfer in den nächsten Jahren zurückgewonnen werden könne. (mai)