Roger Diener über den Wandel in der Architektur

Roger Diener über den Wandel in der Architektur

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Bild: Wikimedia Commons, Politikaner, CC

Ein Büro in Basel, ein weiteres in Berlin: Architekt Roger Diener ist weltweit unterwegs. Seine architektonisch imposanten Spuren hat der Basler in ganz Europa hinterlassen, etwa bei der Erweiterung der Schweizer Botschaft in Berlin, dem Bau des Malmöer Universitätscampus' oder die Umgestaltung des Zürcher Maag-Areals.

Quelle: 
Bild: Wikimedia Commons, Politikaner, CC
Die Schweizer Botschaft neben dem Kanzleramt in Berlin

Die Begeisterung für die Architektur wurde Roger Diener sozusagen in die Wiege gelegt. Jahrgang 1950, der Vater Marcus Diener bereits seit 1942 im eigenen Büro tätig, studierte Roger Diener Architektur an der ETH Zürich. Nach seinem Diplom 1976 stieg er in die väterliche Firma ein, die er unter dem Namen Diener & Diener Architekten seit 1978 mit Dieter Righetti und Andreas Rüedi fortführt. Seit 2011 arbeitet er mit Terese Erngaard, Michael Roth und Andreas Rüedi zusammen.

"Mit seinen Bauten stellt Diener dem auf schnellen Konsum und Verbrauch zielenden Bauen eine Architektur mit sparsam verwendeten einfachen Mustern, Typologien und Mitteln gegenüber", schrieb die Jury in ihrer Begründung zur Verleihung der Heinrich-Tessenow-Medaille im Jahr 2011. Im selben Jahr erhielt er den Preis für Architektur in Deutschland  für die gelungene Rekonstruktion des Ostflügels des Museums für Naturkunde in Berlin. Sein Wirkungskreis ist gross: er reicht vom Neubau über die Sanierung und Rekonstruktion historisch bedeutender Bauwerke bis hin zur Planung von Grossüberbauungen oder eines Universitätsareals. Der Sonntagszeitung (6. September 2015) gab der  Architekt ein Interview und sprach über den Umgang mit Baudenkmälern, moderne Stadtplanung und schlechte Architektur.

War die Architektur noch stark mit der kulturellen Konvention verankert, sei dies heute nicht mehr der Fall, erklärt Diener gegenüber der Zeitung. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg sei diese Kultur zerfallen. Damit habe sich auch das frühere ästhetische Selbstverständnis aufgelöst, erklärte er im Interview. In der heutigen Zeit sei es schwierig, gute Architektur vorzufinden und ein gutes Bauwerk zu konzipieren. Dennoch würden die zeitgenössischen Projekte zu oft banalisiert. Anders als in anderen Sparten habe der Architekt Leistungen zu erbringen, die Risikobereitschaft  und der Abkehr von Konventionen fordere. Das Urteil sei abhängig von der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch von Vorurteilen; entweder ein voller Zuspruch oder Ablehnung und Nichtbeachtung. So wie es auch in der Kunst geschehe. Vor allem Wohn- und Bürogebäude gingen in der Beachtung eher unter, öffentliche Bauten hingegen seien immer als Attraktion im Mittelpunkt.

Dass die Funktionalität die Ästhetik schlägt, scheint bei vielen der modernen Gebäude der Fall zu sein. Nach Dieners Auffassung ist allerdings nicht allein der Architekt für die rationale Gestaltung und die Ästhetik eines Bauwerkes verantwortlich. Sehr oft habe er den Bedingungen des Marktes zu entsprechen, betonte er im Interview. Die Herausforderung  zu einer guten Architektur sieht er in der Schaffung neuer Bauwerke, die innerhalb der heterogen gewordenen Städte durch ihre Schönheit und ihren Nutzen hervorstechen.

Dass die Neubauten oder Erweiterungen bestehender Gebäude nicht überall Anklang finden, musste Diener selber erleben. Umstritten war vor allem seine Arbeit für die Schweizer Botschaft in Berlin. Die Erweiterung des Gebäudes wirkte fast wie eine kleine Provokation. Doch Diener setze absichtlich auf einen sich komplett in Stil und Material abhebenden Baukörper. Vielleicht würde er heute einen anderen Bau entwerfen als damals. Neue Erfahrung führen zu neuen Erkenntnissen, die neue Ideen hervorbringen. „Die Verbindung Alt und neu wirft wichtige Fragen auf", sagt Diener. "Es ist ein faszinierendes Thema. Denn jede Aufgabe ist eine Auseinandersetzung mit dem Erhalten und Stabilisieren wertvoller Substanzen, aber auch mit dem Erneuern und Erweitern. Eine Architektur, die nichts Neues, Positives bewirkt, ist eine versäumte Gelegenheit.“  (cb)