Roche-Bau: „Weisser Raffzahn“

Roche-Bau: „Weisser Raffzahn“

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Architekturkritiker Till Briegleb schreibt eine Kolumne namens „Sofort wieder abreissen!“. Zynisch, sarkastisch und manchmal sogar ein bisschen fies – dabei aber herrlich zu lesen – geht er mit Neubauten auf der ganzen Welt hart ins Gericht. Auch die Schweiz kriegt ihr Fett weg.

Der Deutsche Till Briegleb schreibt als freier Autor für das Kunstmagazin „art“ regelmässig die Kolumne „Sofort wieder abreissen!“ Darin fordert der Architekturkritiker „die Höchststrafe für böse Neubauten“. Treffend, mit viel Phantasie und noch mehr schwarzem Humor schreibt er sie nieder. Keine Baute ist vor seiner spitzen Feder sicher – auch in der Schweiz nicht.

Der Roche-Tower in Basel – und auch seine geistigen Schöpfer Jacques Herzog und Pierre de Meuron – muss harte Worte über sich ergehen lassen. Briegleb schreibt: „Warum Herzog & de Meuron ausgerechnet ihre Heimatstadt mit der grösstmöglichen Grässlichkeit verunstalten, die Stadtlandschaft einer über Jahrhunderte gewachsenen kleinteiligen Struktur in Klein-Basel mit einem weissen Raffzahn mindestens für Jahrzehnte in eine Fasnachtsfratze verwandeln, ist nur durch den typischen Masochismus einer Moderne zu erklären, die stur stumpf baut, aber selbst edel wohnt.“ Dabei hätten die zwei Architekten doch eigentlich grösste Verdienste für die Entwicklung einer abwechslungsreichen skulpturalen Architektur erworben, bedauert der Germanist. Er ist überzeugt: „Nach Basel jedenfalls kann man so lange nicht mehr reisen, bis die babylonische Chemie-Säge wieder abgerissen wird. Wirklich schade eigentlich. Denn bisher war Basel eigentlich ganz schön.“

Das gilt auch für Zürich. Die Stadt gefällt dem Autor; gäbe es da nicht das Neubaugebiet im Norden, Neu Oerlikon. Es ist eins der grössten innerstädtischen Entwicklungsgebiete der Schweiz. Till Briegleb bezeichnet es als „die ambitionierte Vorhölle des ultramodernen Wohnungsbaus“. Die bereits fertiggestellte Hälfte (Stand April 2014, Anm. der Red.) in ihrem „sturen Schokoladenraster“ mache leider den Eindruck, als würde lebendige Stadt hier für alle Zeiten unmöglich gemacht. „Block reiht sich an Block, gleichförmige Fassaden singen über hunderte Meter ihre unstädtische Melodie stupid wiederholter Banalrefrains.“ Selbst der Regen müsse hier durch quadratische Gullilöcher abfliessen. (mt)

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