Riken Yamamoto: Der Meister des Städtebaus

Riken Yamamoto: Der Meister des Städtebaus

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Teaserbild-Quelle: Bild: Koichi Satake

In mancher verdichtet gebauten Stadt leben Menschen zusammen und sind doch einsam. Der japanische Architekt Riken Yamamoto setzt deshalb in seinem städtebaulichen Werk mit öffentlichen Begegnungszonen einen bewussten Kontrapunkt. Das zeigt auch sein Milliardenprojekt «The Circle» beim Flughafen Zürich.

Eine sinkende Geburtenrate und eine höhere Lebenserwartung führen in Japan und Südkorea dazu, dass die Gesellschaft zunehmend überaltert. Haushalte werden kleiner, und der Anteil derjenigen Senioren, die völlig auf sich alleine gestellt leben müssen, steigt und steigt. In Südkorea ist der demografische Wandel besonders ausgeprägt. Ein Viertel der Bevölkerung soll 2030 das Rentenalter überschritten haben. «Alte Leute sterben in ihrer Eigentumswohnung, und niemand bemerkt es», kritisierte der renommierte japanische Architekt Riken Yamamoto bei seinem Auftritt am Architekturforum0.15 in Zürich, einer Veranstaltungsreihe der Architekturzeitschrift Viso und der Schweizer Baudokumentation. Die geschützte Privatsphäre, die seinen Landsleuten so wichtig sei, werde heute mehr und mehr zum grossen gesellschaftlichen Problem. «Das bisherige Selbsthilfesystem ist wegen der Überalterung kollabiert.»

Im 21. Jahrhundert sind deshalb neue Formen des städtischen Zusammenlebens gefragt. Das gilt nicht nur in Japan und Südkorea, sondern auch in der Schweiz. Mit seinem architektonischen Forschungsprojekt «Local Community Area» und den in Asien realisierten Bauten hat Riken Yamamoto aufgezeigt, wie man in dichten urbanen Strukturen die individuelle Privatsphäre bewahren und dennoch den gesellschaftlichen Austausch fördern kann. Öffentlich zugängliche Begegnungszonen geniessen ganz bewusst einen hohen Stellenwert, denn eine attraktiv verdichtete Lebensgemeinschaft gründet auf gegenseitigen Beziehungen. Die Bewohner werden durch transparente Durch- und Ausblicke ermutigt, sich gegenüber der Nachbarschaft zu öffnen. Sogar ältere Leute, die alleine in ihrer Wohnung leben, fühlen sich so nicht mehr isoliert.

Einen multifunktionalen, städtischen Begegnungsort schafft Yamamoto nun auch in der Schweiz. In direkter Nachbarschaft des Flughafens Zürich, der stark frequentierten und perfekt erschlossenen Verkehrsdrehscheibe, entsteht bis 2019 das Dienstleistungszentrum «The Circle». Finanziert wird das grösste Hochbauprojekt der Schweiz mit einen Bauvolumen von 1 Milliarde Franken durch eine Miteigentümergemeinschaft, an der die Flughafen Zürich AG zu 51 Prozent und die Schweizer Versicherungsgesellschaft Swiss Life zu 49 Prozent beteiligt sind. (gd)

Mehr zu «The Circle» und Yamamotos gesamtem Werk lesen Sie im Baublatt vom 4. Dezember.